Im Auftrage des Vicekönigs Antonio Mendoza (1535–57) schickte Coronado, welcher damals Commandant in Culiacan war, den Priester Marcos de Niza nebst einem Franciskaner Fray Onorato und Estebanico im Frühling 1539 nach Norden.[420] Onorato blieb schon in Sonora wegen Krankheit zurück. Die andern zogen mit einigen Indianern weiter. Der Mohr wurde auf Kundschaft vorausgeschickt. Je weiter man nach Norden durch die sporadischen Ansiedlungen der Indianer vorwärts drang, um so bestimmter lauteten die Angaben über eine große Stadt Cibola. Bald aber erhielt Marcos de Niza die Trauerbotschaft, Estebanico sei bei seinem Eintritt in die Stadt getödtet worden; wie sich später herausstellte, war er als ein Opfer seiner Lüsternheit und Habgier gefallen. Marcos konnte seine indianische Begleitung nur durch Geschenke bewegen, ihm so weit zu folgen, bis er die Wunderstadt mit eignen Augen, wenn auch nur aus der Ferne, sähe.

Es gelang ihm in der That, so weit vorzudringen. Er sah die Stadt in einer Ebene, am Abhange eines runden Hügels. Ob er sich selbst täuschte oder ob der Eindruck aus der Ferne ein größerer wurde: Marcos hielt die Stadt für ansehnlicher und größer als Mexiko. Gern hätte er die Stadt selbst besucht, allein bedenkend, daß, wenn er getödtet werde, alle Kunde seiner Entdeckung verloren ginge, stand er davon ab. Auf der Höhe, wo er stand, thürmte er einen Steinhaufen auf, errichtete darüber ein kleines Kreuz und nahm im Namen des Vicekönigs von dem Lande Besitz. Dann kehrte er zurück und stattete noch im September desselben Jahres dem Vicekönig in Mexiko Bericht ab. Coronado, mit welchem Marcos in Guadalajara zusammengetroffen war, schickte noch im Herbst den Capitän Melchior Diaz ab, weil ihm die Erzählung des Priesters nicht hinreichend beglaubigt schien. Aber Diaz konnte wegen der eintretenden Winterkälte in den wenig bewohnten Regionen nicht ans Ziel gelangen, sondern mußte sich in seinem Bericht, den er am 20. März 1540 an Coronado abgehen ließ, auf die unterwegs gemachten Erkundigungen stützen. Wenn nun auch dadurch die überschwenglichen Schilderungen des Pater Marcos etwas gedämpft wurden, so mußte er doch die Existenz von sieben merkwürdigen Städten, deren vornehmste Cibola war, bestätigen.


KARTE
zu CORONADOS EXPEDITION nach
CIBOLA und QUIVIRA

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GRÖSSERE BILDANSICHT]

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