[87] Diese Darstellung nach Correa scheint der Wahrheit mehr zu entsprechen als die Angabe Barros, der Mann sei ein Araber aus Tunis gewesen, der in Oran mit den Portugiesen verkehrt habe. Denn es klingt nicht wahrscheinlich, daß ein geborner Mohammedaner sollte seine Glaubensgenossen verrathen und, wie von allen Seiten berichtet wird, später den christlichen Glauben angenommen haben.
[88] Namentlich stehen sich Barros und Correa gegenüber. Wenn man jedoch die (von Correa vor die Audienz verlegte) Gefangennahme Gama’s als eine Folge der offenen Aussprache des Capitäns in Gegenwart des Samorin auffaßt, und sie nach der Audienz als eine eigenmächtige Maßnahme der mohammedanischen Partei annimmt, lassen sich die Berichte bis auf einen gewissen Punkt vereinigen.
[89] Barros läßt die Fahrt vor Eintreten des Monsuns beginnen, in Folge dessen die Schiffe, durch Windstille und Gegenwinde aufgehalten, viel Mannschaft verloren, da bei der langen Dauer der Fahrt Mangel an Wasser und frischen Lebensmitteln eintrat. Allein es ist wahrscheinlicher, daß Gama, da er einmal von Kalikut vor der Monsun-Zeit aufbrechen mußte, nordwärts segelnd, den günstigen Fahrwind bei den Andjediven abwartete, als daß er gegen den Rath der Piloten sich zu früh über den Ocean gewagt.
[90] Correa’s Bericht erscheint auch hier in sich correct. Wie er die Flotte erst nach dem Auftreten des Monsun von der indischen Küste Abschied nehmen und mit günstiger Fahrt rasch nach Afrika gelangen läßt, ungehemmt durch Gegenwinde und Windstille, deren drückende Schwüle nach den Angaben der anderen Historiker die Ursache der zahlreichen Todesfälle unter dem Schiffsvolk gewesen sein soll, so daß in Folge dessen die Mannschaft zur Bedienung dreier Schiffe nicht mehr ausreichte, so weiß er auch nichts von dem nothwendig gewordenen Aufgeben des dritten Schiffes. Und dabei beruft er sich grade hier, wo er die Rückfahrt schildert, auf die authentischen Berichte des Geistlichen João Figueira, welcher als Augenzeuge seine Erlebnisse niederschrieb.
[91] Als Tag der Ankunft nennen Barros und Goes den 29. September, Correa den 18. September. Den Monat September gibt, ohne Tagesangabe, auch Castanheda an.
[92] Cruzado = 2,75 Mark.
[93] Der Quintal Pfeffer galt damals in Lissabon 80 Cruzados, Zimmt 180, Näglein 200, Ingwer 120, Muskatnuß 100, Mazis 300 Cruzados.
[94] P. A. Thiele, De vestiging der Portugeezen in Indië, (zie de Gids 1873. no. 8) Bl. 15. Anm. 1. führt das Auftauchen des Namens Brasilien bis ins Jahr 1504 zurück.
[95] G. Correa, Lendas I, 152 nennt den Capitän André Gonsalvez, der in der Liste des Barros unter den Führern der dreizehn Schiffe nicht mit aufgeführt ist. Werthvoll ist aber die Angabe Correa’s, weil er hinzufügt, derselbe Gonsalvez sei von König Manuel sofort mit einer zweiten Fahrt nach Brasilien beauftragt. Dies würde die Expedition sein, an welcher Vespucci theilnahm, und von der man bisher den Namen des Capitäns nicht kannte.
[96] F. Kunstmann, die Fahrt der ersten Deutschen nach dem portugiesischen Indien. München 1861. S. 2.