Die indischen Gegner fürchtete er dabei weniger als den Sultan Aegyptens. Von dort schien ihm auch in Zukunft allein ernste Gefahr zu drohen. — Das ganze Zeitalter war so reich an überkühnen, himmelstürmenden Gedanken und Plänen, daß wir uns nicht wundern dürfen, auch Albuquerque in eine solche Schwäche verfallen zu sehen. Wie man von Michel Angelo erzählt, daß er den Marmorgipfel des Monte Altissimo in den Bergen von Carrara zu einer einzigen Statue habe umgestalten wollen, und damit ein ganzes Gebirgsprofil verändert hätte, so hatte auch Albuquerque, indem er der Oberfläche der Erde durch Verlegung eines Stroms ein anderes Ansehen geben wollte, nichts geringeres im Sinne, als den Nil in seinem Oberlaufe nach Habesch abzuleiten, um den alten Kulturboden von Aegypten des segenspendenden Wassers zu berauben; denn nur so hoffte er die mohammedanischen Herren für immer aus dem Lande der Pyramiden vertreiben zu können.

Verständiger klingt schon sein Vorschlag, einen großen Feldzug ins rothe Meer hinauf zu machen und nach Eroberung Medina’s die Gebeine Mohammeds zu entführen, um dafür das heilige Grab in Jerusalem von den Ungläubigen auszutauschen.

So genial wie in seinen Plänen, so reich war er an treffenden Aussprüchen. Die zeitgenössischen Geschichtsschreiber haben uns manche davon überliefert, die offenbar von Mund zu Mund gegangen waren. Dadurch wußte er auch die Gemüther wieder zu besänftigen, die er durch sein leidenschaftliches Temperament verletzt hatte. Ein witziger Einfall machte eine scheinbare Ungerechtigkeit, die er begangen, bald vergessen. Man sah, er wollte nur die Pflichtvergessenen treffen.

Als nach der Eroberung Malaka’s Albuquerque beim Bau der Citadelle auf einem Gedenkstein, der in der Mauer angebracht werden sollte, die Namen der Tapfersten hatte einmeißeln lassen, beschwerten seine Leute sich darüber, daß nur einige genannt seien, während sie doch alle ihre Schuldigkeit gethan hatten. Da befahl der Generalcapitän den Stein umzukehren, daß die Schrift nach innen kam, und ließ ihn als Schlußstein über das Thor der Festung setzen mit der neuen Inschrift: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben. (Psalm 118. 22).[121]

Sicher war Albuquerque der bedeutendste unter den portugiesischen Heerführern in Indien. Er verdunkelte auch die Thaten seiner Nachfolger. Zu spät sah Manuel seinen Fehler ein, daß er durch seinen Undank dem Begründer seiner indischen Macht das Herz gebrochen. Dann wollte er ihn wieder an Stelle des Soarez einsetzen und ihm sogar den Rang eines Vicekönigs verleihen. Aber dieser reuige Beschluß kam zu spät, und der König selbst mußte es noch erleben, wie mühsam sich nach Albuquerque’s Tode die indischen Angelegenheiten in befriedigender Weise entwickelten.

8. Die Nachfolger Albuquerque’s.

Lopo Soarez d’Albergaria, welcher als nächster Nachfolger Albuquerque’s von 1515–1518 den Oberbefehl in Indien führte, war kein Neuling mehr im Orient; er hatte schon 1504 ein Commando gehabt. Nun war er am 7. April von Lissabon mit 13 Segeln abgegangen und erreichte am 8. September 1515 Goa. Als Capitäne der einzelnen Schiffe begleiteten ihn alle die Widersacher Albuquerque’s, wie Diogo Mendes de Vascogoncellos, Jorge de Brito u. a.

Bei seiner Ankunft in Goa fand er allgemeine Niedergeschlagenheit über seine Ernennung und Betrübniß über die rücksichtslose Beseitigung seines verdienstvollen Vorgängers, der sich in der von ihm geschaffenen Stadt der ungetheiltesten Verehrung erfreute. Im October ging Soarez nach Kotschin und fand dort, wie überall, nur kühlen Empfang; selbst die indischen Fürsten außer dem von Kalikut theilten die allgemeine Stimmung. Um diese Zeit kehrte Albuquerque von Ormuz zurück und in Kotschin erfuhr Soarez durch Simão d’Andrade zuerst von dem Hinscheiden des bisherigen Generalgouverneurs. Nun hatte Soarez freie Hand, aber auch im folgenden Jahre geschah noch nichts Erhebliches, er rüstete zu einem großen Zuge nach dem rothen Meere und brachte eine stattliche Flotte von 37 Schiffen zusammen, mit welcher er im Februar aufbrach, um einem ägyptischen Geschwader entgegenzutreten, welches angeblich 27 Segel stark, wiederum nach den indischen Gewässern bestimmt sein sollte. Die feindliche Macht hatte in der That noch vor Aufbruch des Soarez sich auf den Weg gemacht, die wichtige Insel Kamaran befestigt, damit dieselbe nicht wieder, wie unter Albuquerque, zum Stützpunkt der portugiesischen Unternehmungen dienen könnte, war dann vor Aden erschienen und hatte diese Festung vergeblich berannt. Dann war sie nach Dschidda, dem Hafen von Mekka zurückgekehrt, wo man in gesicherter Lage die Schiffe an den Strand gezogen hatte.

Soarez erlitt zwar durch einen Sturm in der Babelmandeb-Enge einige Verluste, drang aber trotzdem bis nach Dschidda vor. Er kam also weiter als Albuquerque, allein damit hatten seine Erfolge ein Ende. Denn der Hafen von Dschidda ist, wie fast alle Häfen am rothen Meere, durch Korallenbänke gebildet und geschützt. Zwischen den Riffen wand sich das schmale Fahrwasser wohl eine Meile weit, ehe man den Landungsplatz erreichte, und diese gefährliche Straße war durch Batterien vertheidigt. Eine Ueberrumpelung des Platzes mit bewaffneten Böten mißlang, es konnten nur einige Schiffe in Brand gesteckt werden. Während Soarez den Hafen noch blokirte, erhielt er bestimmte Nachrichten über den Einbruch der Türken in Aegypten und die Niederlage des ägyptischen Sultans. Dadurch war vorläufig die Kriegslust desselben vernichtet, und da man vor der Hand von den Türken nichts für Indien zu befürchten hatte, so wollte auch Soarez seine Leute nicht unnützerweise in den ungesunden Gewässern opfern, sondern zog sich zurück. Die Insel Kamaran war bei ihrer Ankunft von der mohammedanischen Besatzung zwar verlassen; aber außer Trinkwasser bot die Insel nichts. Für Lebensmittel war auf der Flotte nicht hinreichend gesorgt; nur um solche zu gewinnen, wurde die Stadt Zeila, auf der afrikanischen Küste, erstürmt und geplündert. Viele Leute verschmachteten oder verhungerten, andere kamen in Krankheiten um, andere bei Schiffbrüchen. Barros schätzt die Zahl der also Hinweggerafften auf achthundert. Osorio[122] äußert sich in heftigem Unwillen über diese Mißerfolge: „Mit Verlust von Menschen und Schiffen, mit Schimpf und Schande ging Soarez nach Ormuz zurück. Weder besetzte er Aden, noch zerstörte er die Flotte des Sultans in Dschidda, ja er setzte nicht einmal den Gesandten des Königs Matthäus von Habesch, der sich an Bord befand, in seiner Heimat ans Land.“ Auf dem Rückwege wurde die Flotte durch Unwetter dermaßen auseinander gejagt, daß einige Schiffe sich bis nach Melinde und gar nach Mosambik verschlagen fanden. So kläglich endete dieses Unternehmen. Mehr Erfolg hatte Soarez 1513 mit seinem Zuge gegen Ceylon. Diese Insel war seit 1506 von Portugiesen besucht. Nach der Eroberung von Ormuz, Goa und Malaka, und nach der Besetzung der Haupthäfen auf der Westküste Vorder-Indiens durch Albuquerque, nahmen die arabischen Kauffahrer einen anderen Weg, um von den Gewürzinseln in ihre Heimat zurückzukehren. Sie vermieden das früher besuchte malabarische Küstenland, legten dafür in Ceylon, namentlich in Kolombo, an und steuerten dann über die Malediven nach Aden. Um ihnen nun diesen Weg gleichfalls zu verlegen, hatte Manuel den Befehl gesandt, in Kolombo sich festzusetzen. Der dortige Fürst bequemte sich erst nach einer Niederlage dazu, den Bau einer portugiesischen Citadelle zu gestatten, und mußte, indem er vollständig zinsbar wurde, jährlich 300 Bahar Zimmt (à 4 Centner), 12 Ringe mit Rubinen und Saphiren, und 6 Elephanten als Tribut in die Factorei von Kotschin liefern.

Nachdem dieser Zug geglückt war, übergab Soarez den Oberbefehl seinem Nachfolger und ging am 20. Januar 1519 mit neun beladenen Schiffen nach Portugal ab. „Sein ganzes Glück scheint darin bestanden zu haben, daß er seine Flotten und seine Ladungen wohlbehalten nach Hause brachte.“[123]