Indem wir vorläufig die weiter östlich ausgeführten Entdeckungsfahrten übergehen, um sie später im Zusammenhange übersichtlich darzustellen, verweilen wir noch bei den Angelegenheiten, welche sich in Vorder-Indien und im westlichen Theile des indischen Oceans abspielen. Aber auch diese Ereignisse sollen nur summarisch geschildert werden, da wenige bedeutende Erfolge im nächsten Jahrzehnt zu verzeichnen sind. Auf Soarez folgte als Generalgouverneur Diogo Lopez de Sequeira von 1519–1521. Derselbe ist uns bereits bekannt durch seinen ersten Besuch in Malaka 1509. Er kam als oberster Befehlshaber wieder mit einer ansehnlichen Flotte und 1500 Mann im September 1518 nach Indien, und unternahm auch, auf königlichen Befehl, 1520 einen erfolglosen Zug nach dem rothen Meere, weil man in Portugal in Erfahrung gebracht, daß die Türken in Aegypten einen Zug nach Indien vorbereiteten. In der Nähe der Meerenge von Babelmandeb litt Sequeira selbst Schiffbruch; er rettete sich mit seinen Leuten auf ein anderes Fahrzeug, gelangte aber nicht einmal bis Dschidda, suchte dann den Hafen Massaua an der Küste von Habesch auf — er war der erste Portugiese, der hier anlief — und brachte endlich den habessinischen Gesandten, den schon Soarez bei seinem Zuge an Bord gehabt, wieder in sein Vaterland. Dann begab er sich von da nach Ormuz und wurde mit neuen Befehlen von Portugal aus förmlich überschüttet, so daß er nicht wußte, was er zuerst vornehmen sollte. Danach sollte er auf den Molukken, auf Sumatra, auf den Malediven, in Tschaul (Vorder-Indien) Festungen anlegen, dann wieder nach dem rothen Meere gehen, Diu erobern, Schiffe nach China senden u. s. w. Aber von alledem hat er nur eins, die Anlegung eines Forts in Tschaul, ausgeführt. Denn sein großer Zug gegen Diu mit mehr als vierzig Schiffen mißlang und zu einem zweiten Zuge gegen Aegypten fehlte ihm die Zeit. Seine Amtszeit war abgelaufen. Bis an das nördliche Ende des rothen Meeres, bis nach Sues vorzudringen, war erst 1541 dem Sohne Vasco’s, Estevan da Gama vergönnt.

Schon ehe Sequeira vom Oberbefehl zurücktrat, starb König Manuel am 13. Januar 1521. Sein Sohn und Nachfolger Johann III. schickte 1522 den Duarte de Menezes als Obergeneral nach Indien. Derselbe hatte sich im afrikanischen Kriege vor Tanger ausgezeichnet und galt als einer der vorzüglichsten Männer Portugals; aber auf indischem Boden grünte ihm kein Lorbeer, denn um diese Zeit wäre beinahe die wichtige Position von Ormuz verloren gegangen. Dort war nämlich gegen Ende des Jahres 1521 ein Aufstand ausgebrochen, weil Portugiesen als Hafenmeister angestellt waren, welche die Hafeneinkünfte controlliren sollten. Darüber bildete sich eine Verschwörung, welche die Fremden vernichten sollte. In einer Nacht wurden 125 Portugiesen, welche sorglos in der Stadt wohnten, überfallen und niedergemacht. Glücklicherweise aber hielt sich die Festung. Der König von Ormuz begab sich daher, da der verrätherische Plan nicht vollständig geglückt war, mit allem Volk nach der weiter nördlich gelegenen Insel Kishm, nachdem er die Stadt den Flammen preisgegeben hatte. Der Bruder des Generalcapitäns, Luis de Menezes, welcher auf die Kunde von diesem Vorfall sofort dorthin gesendet wurde, stellte indeß den Frieden wieder her. Das Handelsvolk kehrte in die Stadt zurück und der König mußte sich zu einem jährlichen Tribut von 20,000 Scherafinen verpflichten. Dann erschien auch Duarte de Menezes in Ormuz, ordnete die Verhältnisse wieder und befestigte die portugiesische Stellung.

Wenn als sein Nachfolger Vasco da Gama noch einmal in Indien erscheint, so durfte man wohl erwarten, daß er mit fester, rücksichtsloser Hand die indischen Angelegenheiten leiten und das eintretende Gefühl einer Ermattung durch glänzende Thaten bannen würde. Leider sollte diese Erwartung nicht in Erfüllung gehen, da er nur ein Vierteljahr die Oberleitung besaß.

Facsimile des Namenszuges von Vasco da Gama (und zwei Zeugen) in dem Dokument, in welchem er König Johann III. huldigte, als derselbe ihn zum Vicekönig von Indien ernannt hatte. — Das Dokument befindet sich im Archiv von Lissabon. Die Unterschriften lauten: Ho conde do vymyoso. Ho comde almirante. Bertolomeu de paiva.

Es ist mit Recht aufgefallen, daß der Entdecker des Seeweges seit 1502 keine Verwendung in indischen Diensten gefunden hatte. War Don Manuel nicht einverstanden gewesen mit dem schroffen Auftreten Gama’s? Erst unter König Johann III. begegnen wir ihm wieder und dann mit dem Range eines Vicekönigs, den seit Almeida kein Heerführer in Indien mehr erhalten hatte. Im Gefolge Gama’s befanden sich außer seinen Söhnen Estevan und Paulo die Capitäne Henrique de Menezes und Lopo Vaz de Sampayo, welche beide später als Generalcapitäne fungirten. Am 23. September langte der neue Vicekönig in Goa an, und wandte seine Aufmerksamkeit und Thätigkeit zunächst einer sorgfältigen Prüfung der Verwaltung zu. Hier waren allerlei Mißbräuche eingerissen und Unterschleife vorgekommen, welche die Einkünfte des Königs schmälerten. Dabei handelte Gama im Interesse des Staates, denn, sagte er, er wolle lieber den König reich machen, da es das größte Glück für ein Volk sei, einen reichen König zu haben, als die Leute sich bereichern lassen, die arm von Portugal kämen, um, ohne für den Dienst besonders befähigt zu sein, in Indien Schätze zu sammeln. Darum verfuhr er gegen die reichen Beamten des Königs sehr streng und stellte niemanden an, ehe er seine Fähigkeiten geprüft hatte. Ohne Erlaubnißschein sollte kein portugiesischer Privatmann Handel treiben, bei Todesstrafe, und wenn gar ein Beamter sich an den Geschäften betheiligte, sollten Schiff und Ladung confiscirt werden.

Da auch die portugiesischen Kauffahrteischiffe wegen der kriegerischen Verhältnisse in den indischen Gewässern mit Geschützen versehen waren und sich dieselben auf unerlaubte Weise vielfach aus den königlichen Arsenalen zu verschaffen gewußt hatten, so forderte Gama diese Waffen wieder zurück. Binnen einem Monate mußten sie an die Zeughäuser wieder abgeliefert werden. Waren die Händler auf diese Weise wieder wehrlos gemacht, dann war auch ihre Unternehmungslust dadurch gedämpft. Aber nicht blos Waffen waren, mit Genehmigung der königlichen Verwalter, aus den königlichen Magazinen abgegeben; manche höhere Beamte hatten sogar königliche Gelder zurückbehalten. Diese trieb, so weit sie ermittelt werden konnten, der Vicekönig ohne Ansehen der Person ein. So forderte er selbst von seinem Vorgänger im Amte, Duarte de Menezes Summen zurück, welche dieser sich aus den Einnahmen der Factoreien angeeignet hatte. Eine längere Dauer seines Regiments würde für die Verwaltung von heilsamer Wirkung gewesen sein. Aber diese letztere wurde bald verwischt, da Vasco da Gama schon am 24. December 1524 in Kotschin starb. Die Leiche wurde, in seidenen Kleidern mit dem Mantel des Christusordens bedeckt, mit Schwert und goldenen Sporen, zuerst in einer Halle ausgestellt und dann in der Kapelle des Franziskanerklosters in Kotschin beigesetzt. Im Jahre 1538 wurden die Gebeine nach Portugal gebracht und in Vidigueira bestattet, wo das Grabmal 1840 vom Pöbel zerstört wurde.

Wappen von Vasco da Gama.