Barros schildert ihn als einen Mann von mittler Größe, kühn und tapfer in seinen kriegerischen Unternehmungen, strenge in seinen Befehlen, furchtbar in seinem Zorn, unverdrossen in der Arbeit, beharrlich selbst in Gefahren, unbestechlich in der Handhabung der Gerechtigkeit. Und wenn Correa hinzufügt, daß er sich nur aus religiösem Eifer und zur Ehre Portugals so oft in Lebensgefahr begeben habe, so liegen auch bei Vasco da Gama als die treibenden Kräfte: ritterlicher Waffenruhm und die Verbreitung des heiligen Glaubens offen vor Augen; denn vielen, und darunter den Edleren, erschienen die indischen Kämpfe als heilige Kriege, als Kreuzzüge gegen den Erbfeind des Christenthums.

Nach dem Tode des Vaters kehrten die Söhne Gama’s zunächst nach Portugal zurück.

Gama’s Nachfolger wurde Henrique de Menezes, ein junger, tapferer Mann, welcher sich zuvor im marokkanischen Kriege ausgezeichnet hatte und zu jener Zeit Gouverneur von Goa war. Derselbe starb aber schon am 23. Februar 1526 in Folge eines Beinschadens. Zu seinem Nachfolger bestimmte eine königliche Verordnung den Pero Mascarenhas. Derselbe war aber damals Statthalter in Malaka, und weil man voraussah, daß eine geraume Zeit darüber vergehen werde, ehe er mit günstigem Monsun nach Vorder-Indien kommen könne, und weil man augenblicklich bei den fortwährenden Kämpfen an der Küste von Malabar schleunigst einer Oberleitung bedurfte, so entschieden sich die Hauptleute dahin, nach einer weitern königlichen Verfügung, welche bereits in Indien schriftlich vorlag, den Lopo Vaz de Sampayo provisorisch als Generalgouverneur anzuerkennen, jedoch mit dem Vorbehalte, daß er bei Ankunft des Mascarenhas zurückzutreten habe. Lopo Vaz war damals Commandant in Kotschin und trat sofort sein Amt an. Noch in demselben Jahre traf von Europa eine neue Verfügung des Königs ein, welcher von den oben erwähnten Vorfällen und von dem Tode des Menezes noch keine Kunde hatte und nun neuerdings bestimmte, daß, falls Menezes stürbe, Lopo Vaz in seine Stelle treten solle. Daraus entstanden unliebsame Verwicklungen. Als Mascarenhas am 26. Februar 1527 vor Kotschin ankam, wurde ihm bedeutet, er dürfe sich nicht als Generalgouverneur betrachten und mit seinen bewaffneten Leuten landen. Wolle er ohne Waffen als Privatmann ans Land kommen, so solle das gestattet sein. Pero Mascarenhas hoffte durch sein persönliches Erscheinen seinen Anhang zu vermehren und dann doch anerkannt zu werden. Aber er fand am Ufer bewaffneten Widerstand und mußte, nachdem er zweimal am Arme verwundet war, sich auf sein Schiff zurückziehen. Er lieferte die von Malaka mitgebrachten Frachtschiffe und die Beute aus einem glücklichen Kriege mit dem Fürsten von Bintang ohne Weigerung ab und begab sich ohne Gefolge nach Goa, wo er durch friedliche Entscheidung zu seinem Rechte zu kommen gedachte. Vor der Barre von Goa wurde aber sein Fahrzeug auf Befehl des Lopo Vaz angehalten und er selbst in Ketten gelegt und nach Kananor gebracht. Die starke Partei des Mascarenhas ruhte aber nicht eher, als bis Lopo Vaz zu einem Vergleich sich herbeiließ und das Urtheil einem Schiedsgerichte anheimstellte. Als dieses sich für ihn entschieden hatte, kehrte Pero Mascarenhas nach Portugal zurück (December 1527). Vor seiner Ankunft hatte der König schon beschlossen, um die in Indien ausgebrochenen Parteistreitigkeiten zu beseitigen, einen neuen Generalgouverneur zu entsenden, dem beide Parteien gehorchen könnten. Es wurde Nuno da Cunha ernannt, der schon mit seinem Vater Tristão in Indien gewesen war. Diese Wahl war sehr glücklich, denn seit Albuquerque’s Tode war nichts Bedeutendes mehr geleistet und die verfügbare Macht in fruchtlosen Unternehmungen zersplittert. Im April 1528 verließ da Cunha Lissabon mit 11 Schiffen und 2500 Mann. An der Küste von Madagascar verlor er sein Schiff, wandte sich an den Komoren vorbei nach Sansibar, eroberte im November Mombas fast ohne Blutvergießen und legte es in Asche, da der Scheich nur in der Erwartung, daß das höchst ungesunde Klima die Portugiesen bald vertreiben werde, den verlangten Tribut zu zahlen sich weigerte. Dann ging da Cunha, obwohl er von dem Streite über den Oberbefehl in Indien genauere briefliche Nachrichten erhalten hatte, zuerst nach Ormuz, um dort zu überwintern und zugleich die Angelegenheiten in der Stadt zu ordnen. Er traf zu Gunsten des Königs von Ormuz uneigennützige Verfügungen und übte strenges Gericht über hochgestellte einheimische Beamte, welche sich große Unterschlagungen königlichen Gutes hatten zu Schulden kommen lassen. Dadurch gewann er das Vertrauen des Herren der Stadt. Während seiner Anwesenheit daselbst kam Belchior de Sousa Tavaros von einem Kriegs- und Entdeckungszuge nach Basra in den Hafen zurück. Er war der erste Portugiese, welcher in den vereinigten Mündungsstrom des Euphrat und Tigris eindrang.

Pero Mascarenhas in Ketten.

Aus den „Lendas da India“

Am 15. September 1529 begab sich da Cunha nach Indien und erreichte Goa am 22. October. Sofort begann er seine Vorbereitungen zu einem energischen Angriff auf Diu, dem wichtigen und sehr festen Hafenplatz im Reiche Gudjerat. Schon Albuquerque hatte, in richtiger Würdigung der Wichtigkeit dieses Platzes, den Hafen von Diu ins Auge gefaßt, war aber durch andere Angelegenheiten zu sehr in Anspruch genommen gewesen, um einen Anschlag darauf ausführen zu können. Unter seinen Nachfolgern war die Stadt, welche lange unter der Verwaltung des Melek Aias gestanden, mehrfach vergeblich bestürmt. Auch unter den Nachfolgern des genannten Statthalters, seinen Söhnen Melek Saka und Melek Toghan war sie eine gefährliche Nachbarin der Portugiesen geblieben, denn der Sultan Bahadur (Badur) von Gudjerat, zu dessen Gebiet sie gehörte, war einer der mächtigsten Fürsten Indiens.

Inzwischen traf da Cunha mit seinem Vorgänger Lopo Vaz vor Kananor zusammen und übernahm aus dessen Hand die Oberleitung der indischen Angelegenheiten. Auf Befehl des Königs Johann III. mußte er sogar den bisherigen Generalcapitän verhaften lassen, weil von Ormuz und Kotschin aus Klagen gegen denselben eingelaufen waren. In Portugal aber wurde Lopo Vaz bald wieder in Freiheit gesetzt.

Dem wankelmüthigen Samudrin, welcher den Frieden immer wieder brach, sowie sich die portugiesische Macht aus seiner Nähe entfernte, wurden die Häfen gesperrt und der einträgliche Handel gelähmt. Er wurde nämlich von den Mohammedanern, in deren Interesse er handelte, immer wieder heimlich unterstützt und aufgestachelt. Auch jetzt erbot er sich wieder zum Frieden, allein da er die ihm auferlegten Bedingungen nicht erfüllen wollte, zerschlugen sich die Verhandlungen, und der friedelose Zustand dauerte fort. Im Jahre 1531 gelang es aber doch durch geschickte Unterhandlungen dem Samudrin das Zugeständniß abzugewinnen, die Erlaubniß zu ertheilen für die Anlegung einer Festung in Chali, drei Meilen südlich von Kalikut, im Gebiet des untergebenen Radscha von Tanur. Da Cunha ließ den Bau sofort beginnen und belegte den festen Platz bereits im Februar 1532 mit 250 Mann. Trotzdem blieb der Samudrin offen oder versteckt ein Gegner der Portugiesen.

Das Reich Gudjerat, gegen welches Nuno da Cunha seinen großen Zug richten wollte, erstreckte sich auf beiden Seiten des Golfs von Kambaya vom Golf von Katsch bis südlich von Bombay. Hier lagen an der Küste die reichen Handels- und Gewerbstädte Pattana, Diu, Kambaya, Barotsch, Sorâth, Damân und Bassein, alte, wohlhabende und berühmte Orte, theils von indischen, theils von mohammedanischen Kaufleuten bewohnt. Schon ehe der Generalcapitän mit seiner großen Flotte aufbrach, schickte er im Anfange des Jahres 1530 den Antonio da Silveira mit einer Anzahl von Schiffen ab und ließ mehrere dieser Städte angreifen und plündern.