An Ufern des Rheins auf weißen Rossen
Sprengen wir, Freunde!
Sie schleudern die Mähnen,
Sie wiehern auf zum Morgenstern!
Wir sind schön gekränzt mit Erde-Freuden
Und trunken wunderbar des Sieger-Weins –
Es sind Wogen-Rosse! die weißen Rosse!
Da sprengen sie uns in die Fluten des Rheins!
Wir sind jung, im Feuer zeugerisch,
Welten nahe – Erde fern –
Es sind Äther-Rosse! die weißen Rosse!
Da sprengen sie uns auf zum Morgenstern!
Christian Morgenstern.
Geboren am 6. Mai 1871 zu München, lebte als Schriftsteller in Berlin; starb am 31. März 1914 in Meran. – In Phantas Schloß 1895. Horatius travestitus 1896. Auf vielen Wegen 1897. Ich und die Welt 1898. Ein Sommer 1899. Und aber ründet sich ein Kranz 1902. Galgenlieder 1905. Melancholie 1904. Palmström 1910. Einkehr 1910. Palma Kunkel 1916. Der Gingganz 1919.
Erster Schnee.
Aus silbergrauen Gründen tritt
Ein schlankes Reh
Im winterlichen Wald
Und prüft vorsichtig, Schritt für Schritt,
Den reinen, kühlen, frischgefallenen Schnee.
Und deiner denk' ich, zierlichste Gestalt.