O sieh das Spinnennetz im Morgensonnenschein,
Wie es vom Tau noch voll kristallner Tropfen hängt!
Im leichten Winde wiegt es seiner Perlen Pracht,
Die in den silbergrauen Maschen hier und dort
So flüchtig sich wie sanft und zierlich eingeschmiegt.
Sieh, so ist alles Glück. So hängt es flüchtig sich
In unsrer Tage schwankendes Gespinst,
Und es erschauert unter seiner köstlichen Last
Des Majaschleiers weltdurchwallendes Geweb.

Verbannung zur Höhe.

Noch niemals fiel es irgend einem Volke ein,
Zu schenken einem Dichter einen hohen Berg,
Mit dem Beding, von ihm herabzusteigen nur,
Um ihm zu bringen diesem Ebenbürtiges.
Ja, bannen müßt' es selbst das allzu schweifende
Geschlecht der Dichter an so hohen Aufenthalt,
Wo nur das Höchste recht hat und der Dinge Maß,
Gereckt ins Ungemeine, seinen Blick entwöhnt
Des bunt zufälligen Wirbels, drein sein Tag ihn warf.

Deine Rosen.

„Deine Rosen an der Brust,
Sitz' ich unter fremden Menschen,
Laß sie reden, laß sie lärmen,
Jung Geheimnis tief im Herzen.

Wenn ich einstimm' in ihr Lachen,
Ist's das Lachen meiner Liebe;
Wenn ich ernst dem Nachbar lausche,
Lausch' ich selig still nach innen.

Einen ganzen langen Abend
Muß ich fern dir, Liebster, weilen,
Küssend heimlich, ohne Ende,
Deine Rosen an der Brust.“

Der Bach.

Wie der wilde Gletscherbach
Selber sich entgegenbraust,
Auf sein wogendes Gejach'
Weiß zurückgekraust!