Wilhelm von Scholz.
Geboren am 15. Juli 1874 zu Berlin. – Frühlingsfahrt 1896. Der Spiegel 1902. Neue Gedichte 1913.
In einer Dämmerstunde.
Ich wohne, wo die Wolken gehn,
Stillhoch in einer Dämmerstunde;
Waldtiefer Bäume Wipfel stehn
Um meinen Tisch in naher Runde,
Die gern mein Licht im Abend sehn.
Alt ist der Leuchter, der es trägt,
Alt sind die Bäume, die es schauen,
Die Flamm' ist alt, die sich bewegt
Und flattert durch das ewige Grauen,
Wenn die uralte Luft sich regt.
Flüsternd umkreist die Dämmerung
Mich und mein Licht, das nach ihr greift.
So alt ist alles, ich so jung –
Da ist's, als ob ein Wort mich streift,
Das rings um mich zur Fülle reift.
„Du bist so alt als alle wir –“
Sprach es das Licht, sprach es der Baum,
Sprach's der zersprungne Tisch vor mir,
Sprach's um mich her der Dämmertraum?
Ich fühl' es dunkel jetzt und hier.
Wie lächeln doch die ewigen Dinge,
Wenn solch ein Strudel Erdenzeit,
Ein Mensch, aufwacht in ihrem Ringe,
Aufbraust in ihrer Einsamkeit –
Wie lächeln doch die ewigen Dinge!
Sie lächeln mich in ihre Ruh –
Nun rag' auch ich uralt vom Grunde.
Du Flamme, warum zitterst du?
Bist du ein Wort aus meinem Munde,
Rief dich die Dämmerung mir zu? –