Oft, wenn die stille Mitternacht
Einsam im dunkeln Parke wacht,
Wenn meine Fenster offen stehn,
Ein Sternlein durchs Gezweige leuchtet
Und Nachtluft mir die Stirne feuchtet,
Dann weiß ich, daß mich deine Augen sehn
In dieser stillen Mitternacht.

Doch dieser Erde weit entschwebt
Ist, was mich hier umgibt und mit mir lebt:
Mein still Gemach, der Park, der leise rauscht,
Der See, der über seine Ufer lauscht.
In ewige Fernen treiben wir dahin:
Du kennst den Ort nicht, wo ich bin
In dieser stillen Mitternacht.

Noch seh' ich dich; und dein Gesicht ist blaß.
Von Schauer wird mein Auge naß,
Und tausend Wünsche werden wach.
Doch schneller treibt der Park und das Gemach
Hin in den fernenklaren Raum –
Da lischt, ein Flackerlicht, dein Traum
In dieser stillen Mitternacht.

Heimat.

Eine Heimat hat der Mensch,
Doch er wird nicht drin geboren –
Muß sie suchen traumverloren,
Wenn das Heimweh ihn ergreift.

Aber geht er nicht in Träumen,
Geht er achtlos ihr vorüber,
Und es wird das Herz ihm plötzlich
Schwer bei ihren letzten Bäumen.

Abendgang.

Das ist unser schweigender Abendgang.
Herbst. Blätter fallen wegentlang.
Nasse Äste tragen den Himmel, der bleich
Und dunstig niederhängt über den Teich.

Die Brücke. Trüber Laternenschein
Fällt schwankend in schmutzigen Schlamm hinein.
Vorüber. Dunkel wie Menschen stehn
Die Bäume und sehn uns weitergehn.