I, 1.

Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain;
Der Mond läuft mit, sie schaun hinein.
Der Mond läuft über hohe Eichen;
Kein Wölkchen trübt das Himmelslicht,
In das die schwarzen Zacken reichen.
Die Stimme eines Weibes spricht:

Ich trag' ein Kind, und nit von dir,
Ich geh' in Sünde neben dir.
Ich hab' mich schwer an mir vergangen.
Ich glaubte nicht mehr an ein Glück
Und hatte doch ein schwer Verlangen
Nach Lebensinhalt, nach Mutterglück
Und Pflicht; da hab' ich mich erfrecht,
Da ließ ich schaudernd mein Geschlecht
Von einem fremden Mann umfangen,
Und hab' mich noch dafür gesegnet.
Nun hat das Leben sich gerächt:
Nun bin ich dir, o dir, begegnet.

Sie geht mit ungelenkem Schritt.
Sie schaut empor; der Mond läuft mit.
Ihr dunkler Blick ertrinkt im Licht.
Die Stimme eines Mannes spricht:

Das Kind, das du empfangen hast,
Sei deiner Seele keine Last,
O sieh, wie klar das Weltall schimmert!
Es ist ein Glanz um alles her;
Du treibst mit mir auf kaltem Meer,
Doch eine eigne Wärme flimmert
Von dir in mich, von mir in dich.
Die wird das fremde Kind verklären,
Du wirst es mir, von mir gebären.
Du hast den Glanz in mich gebracht,
Du hast mich selbst zum Kind gemacht.

Er faßt sie um die starken Hüften.
Ihr Atem küßt sich in den Lüften.
Zwei Menschen gehn durch hohe, helle Nacht.

I, 16.

Zwischen zwei Rappen jachtert ein Schimmel.
Sonne glitzert auf Schneestaubgewimmel:
Ein Schlitten stiebt mit zwei Menschen dahin.
Schwarz funkeln die Schellen der silbernen Bügel.
Ein Weib schwingt die Peitsche, der Mann führt die Zügel.

Jetzt reckt er das Kinn:
Lea! seit meinen Jugendjahren
Bin ich nicht so im Fluge gefahren,
So rasend noch nie.
Aber noch rasender war's gestern morgen,
Als ich im Sturm deinen Namen schrie
Und, als wäre mein Gott drin verborgen,
Mit ihm rang um dich, Knie an Knie:
Schleife mich, Sturmgott, um die Erde,
Sei sie unrein, sei sie rein!
Gönne mir nur kein Glück am Herde,
Hingerissen will ich sein! –
Sage mir, du, ich frage dich: schreit
Dein Gott auch so meinen Namen?
Peitscht dich der Schnee auch wie Frühlingssamen?
Kennst du den Wahnsinn dieser Seligkeit?!

Er reißt ihr die Peitsche weg; die Rappen schäumen schon.
Die Zügel schlackern; die Bügel bäumen schon.
Das Weib umschlingt ihn fallbereit: