Nenn's nicht Wahnsinn, nenn's lieber Ahnsinn!
Lukas! ich hab' in manchen furchtbaren Wochen
Dagelegen wie zerbrochen
Und wußte doch: ich will, muß, willmuß fliegen!
Ja, Lux: rase! laß brechen, laß biegen!
Mir wiegt ein Gefühl der Erleuchtung die Brüste,
Als ob es die Sonne blind machen müßte!
Und wenn mir der Schneestaub die Augen zerstäche,
Und wenn mir dein Sturmgott den Atem bräche,
Ich lasse mich wiegen, du – wiegen – wiegen –
Sie starrt verzückt in das wilde Gewimmel.
Zwei Menschen glauben sich im Himmel.
I, 23.
Kaminfeuer und Morgenrotschimmer
Schmücken ein hohes Damenzimmer.
Ein Weib erhebt aus meergrüner Seide
Ihre nackten Arme beide
Vor einem Mann breit in die Luft
Und lacht, umschwebt von Mandelduft:
Ich glaub', ich bin noch immer schön;
Mein Kind hat mir nichts weggenommen.
Und hättst mich eben baden sehn,
Du wärst mit mir gen Himmel geschwommen!
Was stehst denn wieder wie im Schlaf?
O Lux, was bist du für ein – Schaf!
Er lächelt eigen, sie merkt es nicht:
Er senkt, scheinbar grübelnd, sein scharfes Gesicht.
Sein Fuß streichelt ein Eisbärfell.
Er fragt halbhell:
Schönheit? – das ist mir nichts als Hülle
Um irgend eine Liebreizfülle.
Der Reiz zur Liebe und zum Leben,
Wenn den die Reize einer Gestalt
Mir wie aus eigner Seele eingeben,
Dann bin ich – schön in ihrer Gewalt;
Sonst sind sie angeflogne Schäume,
Nachwehen toter Künstlerträume.
Du würdest ja Raffael nicht entzücken:
Du bist zu kriegrisch ins Kraut geschossen.
Deine dunkle Haut ist voll Sommersprossen.
Dein Pferdshaar, dein herrischer Nasenrücken
Taugen zu keiner klassischen Ode,
Und dein klassisch Kinn ist gar nit mehr Mode.
Aber – jetzt will ich die Augen zudrücken,
Will nichts mehr fühlen als deinen Bann,
Nichts küssen als deine Wildkatzenstirne;
Und wärst du die durchtriebenste Dirne,
Du wirst mir eine Heilige dann –
Prüfend blicken zwei Seelen einander an.
II, 28.
Und es rauscht nur und weht.
Es liegt eine Insel, wohl zwischen grauen Wogen;
Es kommen wohl Vögel durch die Glut geflogen,
Die blaue Glut, die stumm und stet
Die Dünen umschlingt.
Da gebiert die Erde im stillen wohl ihr Empfinden
Und nimmt ihre Träume und gibt sie den Wellen, den Winden.
Die Seele eines Weibes singt: