O laß mich still so liegen,
An deiner Brust, die Augen zu.
Ich sehe zwei Wolken fliegen,
Die eine Sonne wiegen;
Wo sind wir, du? –

Und es rauscht und weht.
Es liegt eine Düne, wohl zwischen tausend andern.
Es werden wohl Sterne den blauen Raum durchwandern,
Der über den bleichen wilden Hügeln steht
Und golden schwingt.
Die Seele eines Mannes singt:

Still, laß uns weiterfliegen,
Beide die Augen zu.
Ich sehe zwei Meere liegen,
Die einen Himmel wiegen.
O du –

Es rauscht, es weht;
Über die heißen Höhenzüge geht
Höher und höher der goldne Schein
Ins Blaue hinein,
Wo das Dunkel schwebt.
Und aus dem Dunkel herüber, auf großen Wogen,
Kommt die Einsamkeit gezogen.
Und zwei Seelen singen: Eine Seele lebt,
Wohl zwischen den Sternen, den Sonnen, den Himmeln, den Erden,
Die will uns wohl endlich leibeigen werden:
Es schwellen die Wogen herüber, wie Herzen klingen,
Menschenherzen! – Zwei Seelen singen –


Adolph Donath.

Geboren am 9. Dezember 1876 zu Kremsier in Mähren. – Tage und Nächte 1898. Judenlieder 1899. Mensch und Liebe 1901.

Tränen.

Wenn ich leide, wenn ich dulde,
Wandern meine kranken Tränen
Fort in meine ferne Heimat,
Wo die gute Mutter wohnt.

Und die gute Mutter öffnet
Ihre kleinen weichen Hände,
Betet für den schwachen Dulder,
Der die Tränen heimgesandt.