Unter den Menschen.

Ich hab' es nie so tief gewußt,
Was heimlich webt, wo Menschen mich umdrängen:
Was ich im Wind verschüttet, Rausch und Lust,
Was ich an Leid begrub auf stillen Gängen,
Flutet von euch zurück in meine Brust.
Dann bin ich wie ein Baum im Abendwehn,
Von dem ein trunkner Schatten niederschwebt,
Ich seh' verworrn in meinem Schatten gehn
Viel Menschenleben, die ich selbst gelebt:
Ein wildes Jahr, im Rausch zu Grab gelenkt,
Ein Wintermond, drin Herdschein mir gefunkelt,
Ein grauer Tag, den ich an Gott verschenkt,
Ein goldner Abend, trauerüberdunkelt.
Was ich im Wein vergaß, im Abend litt,
Trägt Brust um Brust in ihre Stille mit.
Und leis zerrinnt des Schattens blaue Pracht
Und einsam wie ein Wald rauscht tiefe Nacht.

Hugo v. Hofmannsthal

Leben.

Und immer fremder sind mir Tag und Räume …

Was weht um mich? Man sagt: ein Menschenwort.
Was rauscht um mich? Man sagt: die dunkeln Bäume,
Die rauschen noch seit deiner Kindheit fort.
Und Gärten stehn im abendlichen Land,
Ihr Schatten grüßt mich kühl und altbekannt.

Ich aber wandre dunkel fort, im Innern
Ein uralt Schattenbild, das leise weint.
Die nenn' ich Mutter, diesen nenn' ich Freund
Und lächle tief und kann mich nicht erinnern.

Regenabend.