Ellen.

Mein armer Kopf lag still in deinem Schoß
Und dachte, dachte, bis er müde wurde.
Du hattest deine leichte, milde Hand
Auf meine Stirn gelegt und warst entschlafen;
Und gar ein Zauber schien mir auszugehn
Von deinen weißen Fingern: Frieden sandten
Sie nieder in mein Hirn, und allgemach
Sah ich den Schlaf in heitrer Ruhe nahn,
Und mir ward leicht, als schlief' ich in den Tod.

Das welke Blatt.

In ihren Locken haftete ein welkes Blatt,
Als ich mit ihr den alten Berg herniederstieg
Zum letztenmal. Verstohlne Freude war es mir,
Das braune Blatt im wirren braunen Haar zu sehn,
Den stillen Zeugen stillgenoßner, heiliger Lust,
Und heimlich, glücklich lächelnd schritt ich neben ihr,
Indes ein schwellend Säuseln durch die Kronen ging.

Und eh' wir noch das erste Haus der Stadt erreicht,
Stahl ich ihr sacht das braune Blatt vom stolzen Haupt.
Und da ich nun nach ihren lieben Augen sah,
Die ehrsam schon und sittig wieder schauten drein,
Hob fragend sie den Blick empor: was nahmst du da?

Ich zeigt' es schweigend. – Eine dunkle Welle Bluts
Floß über ihr schamhaftes Antlitz. Aber dann
Schien plötzlich sie der heißen Wünsche eingedenk –
Ein jäher Blitz hingebungsschwüler, starker Glut
Traf mich, es zitterten die offenen Lippen ihr,
Und überwältigt bebte mir das bange Herz!
Ich faßte zuckend ihre Hand und preßte sie
An meinen Mund und küßte sie zum letztenmal,
Indes ein schwellend Säuseln durch die Kronen ging.

Liebesode.

Im Arm der Liebe schliefen wir selig ein.
Am offnen Fenster lauschte der Sommerwind,
Und unsrer Atemzüge Frieden
Trug er hinaus in die helle Mondnacht. –

Und aus dem Garten tastete zagend sich
Ein Rosenduft an unserer Liebe Bett
Und gab uns wundervolle Träume,
Träume des Rausches – so reich an Sehnsucht!