»Ja, o Herr!«
»Bist du denn nicht, Phagguṇo, als edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert?«
»Ja, o Herr!«
»Das steht dir nicht wohl, Phagguṇo, der du als edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert bist, dass du zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der Nonnen weilst. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer dir gegenüber jene Nonnen tadeln mag, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer in deiner Gegenwart jene Nonnen mit Fäusten schlüge, mit Steinen würfe, mit Stöcken prügelte, mit Schwerdtern träfe, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer dir gegenüber Tadel aussprechen mag, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer dich mit Fäusten schlüge, mit Steinen würfe, mit Stöcken prügelte, mit Schwerdtern träfe, so magst du, Phagguṇo, {124} alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben.«
Und der Erhabene wandte sich nun an die Mönche:
»Willigen Sinnes kamen mir wahrlich, ihr Mönche, die Mönche einmal entgegen. Da wandte ich mich zu ihnen: ›Ich nehme, ihr Mönche, einsames Mahl zu mir: einsames Mahl, ihr Mönche, zu mir nehmend wahre ich Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein. So nehmet auch ihr, meine Mönche, einsames Mahl zu euch: einsames Mahl, ihr Mönche, zu euch nehmend werdet auch ihr Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein wahren.‹ Und jene Mönche bedurften, ihr Mönche, keiner Ermahnung von mir: nur ihre Einsicht war zu erwecken.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da auf gutem Boden, am Ausgangsplatze vierer Straßen, ein treffliches Wagengespann in Bereitschaft stände, mit dem zugehörigen Treibstock versehn; diesen Wagen bestiege ein Meister der Fahrkunst, ein gewandter Rosselenker, nähme die Zügel in die linke Hand, den Treibstock in die rechte, und führe nach Wunsch und Willen hin und her: ebenso nun auch, ihr Mönche, bedurften jene Mönche keiner Ermahnung von mir: nur ihre Einsicht war zu erwecken. Darum also, ihr Mönche: verleugnet das Schlechte, seid stetig im Guten; denn also werdet auch ihr in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn sich da in der Nähe eines Dorfes oder einer Stadt ein dichtes Gehölz befände, von Rizinusstauden umwuchert; und es erbarmte sich Einer der Bäume, um sie zu hegen und zu sichern: da ginge er hin und holzte die krummen, entsäfteten Stämme ab, schaffte sie fort und hielte den wohlgesäuberten Forst sauber instand; die geraden, gutgewachsenen Stämme aber, die pflegte er sorgsam; und so käme wohl diese Waldung, ihr Mönche, beizeiten zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung: ebenso nun auch verleugnet, ihr Mönche, das Schlechte, seid stetig im Guten; {125} denn also werdet auch ihr in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen.
»Einst lebte hier in Sāvatthī, ihr Mönche, eine Hausfrau Namens Vedehikā. Die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, stand in dem erfreulichen Rufe: ‚Sanft ist die Hausfrau Vedehikā, mild ist die Hausfrau Vedehikā, friedsam ist die Hausfrau Vedehikā!‘ Diese Hausfrau nun, ihr Mönche, hatte eine Magd Namens Kāḷī, die flink und fleißig ihre verschiedenen Obliegenheiten wohl besorgte. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Meine Gnädige steht ja in dem erfreulichen Rufe: ‚Sanft ist die Hausfrau Vedehikā, mild ist die Hausfrau Vedehikā, friedsam ist die Hausfrau Vedehikā!‘ Wie nun: verbirgt mir nur die Gnädige ihre innere Galle, oder hat sie überhaupt keine? Oder besorg’ ich vielleicht alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht zeigen kann? Ich will doch einmal die Gnädige auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand bei hell lichtem Tage auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: ›He da, Kāḷī!‹ — ›Was, Gnädige?‹ — ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹ — ›Das thut nichts, Gnädige!‹ — ›Uns aber thut’s was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt mit gerunzelten Brauen. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Die innere Galle, die sie hat, verbirgt mir die Gnädige, und ich besorge alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht zeigen mag; ich will nun die Gnädige noch stärker auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand noch später auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: ›He da, Kāḷī!‹ — ›Was, Gnädige?‹ — ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹ — ›Das thut nichts, Gnädige!‹ — ›Uns aber thut’s was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt und verstimmte Worte entfuhren ihrem Munde. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Die innere Galle, die sie hat, verbirgt mir die Gnädige, und ich besorge alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht zeigen mag; ich will nun die Gnädige noch stärker auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand noch später auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: {126} ›He da, Kāḷī!‹ — ›Was, Gnädige?‹ — ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹ — ›Das thut nichts, Gnädige!‹ — ›Uns aber thut’s was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt, ergriff den spitzigen Thorriegel, warf ihn ihr an den Kopf, verwundete ihr den Kopf. Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, lief nun mit verwundetem Kopfe triefenden Blutes zu den Nachbarn und klagte jammernd: ›Seht, Beste, das Werk der Sanften, seht, Beste, das Werk der Milden, seht, Beste, das Werk der Friedsamen, wie’s da zugeht bei einer Frau, die nur eine Magd hält: ‚Bei Tag stehst du auf‘ sagt sie und wird euch zornig und wild den spitzigen Thorriegel an den Kopf werfen, den Kopf verwunden!‹ Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, kam nun in den üblen Ruf: ‚Heftig ist die Hausfrau Vedehikā, ungestüm ist die Hausfrau Vedehikā, unfriedsam ist die Hausfrau Vedehikā!‘ —: