»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist da gar mancher Mönch nur solange einer der sanften, einer der milden, einer der friedsamen, als ihn angenehme Redeweisen berühren; wenn aber dann, ihr Mönche, den Mönch unangenehme Redeweisen berühren, dann soll ein Mönch sanft erfunden, mild erfunden, friedsam erfunden werden. Nicht den Mönch, ihr Mönche, nenne ich lind, der durch Darreichung von Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit lind wird, lindes Wesen gewinnt; und warum nicht? Weil ja, ihr Mönche, ein solcher Mönch, wird ihm Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzenei für den Fall einer Krankheit nicht dargereicht, nicht lind wird, lindes Wesen nicht gewinnt. Einen Mönch aber, der, ihr Mönche, die Satzung nur achtend, die Satzung ehrend, die Satzung schätzend lind wird, lindes Wesen gewinnt, den nenne ich lind. Darum also, ihr Mönche: ›Die Satzung nur achtend, die Satzung ehrend, die Satzung schätzend wollen wir lind werden, lindes Wesen gewinnen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.
»Fünferlei Redeweisen giebt es, ihr Mönche, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger.{127} Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit Spaten und Korb versehn, und spräche also: ›Ich werde den Erdball erdlos machen‹, und er grübe da und dort, würfe da auf und dort auf, lockerte da auf und dort auf, löste da ab und dort ab, ›Erdlos sollst du werden, erdlos sollst du werden‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann den Erdball erdlos machen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Der Erdball, o Herr, ist ja tief, unermesslich, den kann man nicht wohl erdlos machen, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«
»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit erdballgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.
»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit Lack oder Gelbwurz, Indigo oder Karmin versehn, und spräche also: ›Ich werde hier im Himmelsraume Gestalten zeichnen, werde ein Bild entwerfen‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann im Himmelsraume eine Gestalt zeichnen, ein Bild zuwege bringen?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«