22.

Dritter Theil

Zweite Rede

DAS SCHLANGENGLEICHNISS

{130} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Zu jener Zeit nun hatte ein Mönch Namens Ariṭṭho, ehemals ein Geierjäger, folgende verkehrte Meinung geäußert: ›Also fasse ich die vom Erhabenen verkündete Lehre auf, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen.‹ Es kam nun vielen Mönchen zu Ohren, dass ein Mönch Namens Ariṭṭho, ein früherer Geierjäger, diese verkehrte Meinung gefasst habe. Da begaben sich nun jene Mönche dorthin wo Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger, weilte, und sprachen hierauf also zu ihm:

»Ist es wahr, wie man sagt, Bruder Ariṭṭho, du habest diese verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen‹?«

»So ist es, ihr Brüder, allerdings fass’ ich die vom Erhabenen verkündete Lehre also auf, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen.«

Da nun wollten jene Mönche Ariṭṭho den Mönch, den früheren Geierjäger, von seiner verkehrten Meinung abbringen, wandten sich zu ihm, sprachen zu ihm, belehrten ihn: »Nicht also rede, Bruder Ariṭṭho, den Erhabenen verbessere nicht, nicht ist es gut den Erhabenen verbessern, nicht kann der Erhabene solches gesagt haben. Auf manigfaltige Weise, Bruder Ariṭṭho, wurden die verderblichen Handlungen vom Erhabenen erklärt, und sie gereichen dem Thäter nothwendig zum Verderben. Unbefriedigend sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Kahlen Knochen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Fleischfetzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, flammendem Stroh verglichen hat der Erhabene die Begierden, glühenden Kohlen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Träumereien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Betteleien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Baumfrüchten verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schwerdterschneiden verglichen hat der Erhabene die Begierden, Lanzenspitzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schlangenrachen gleich sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt.«[14]

Ariṭṭho der Mönch aber, der frühere Geierjäger, obzwar von jenen Mönchen also angegangen, angesprochen und belehrt, hielt an dieser seiner verkehrten Meinung zähe fest: »Ich, fürwahr, ihr Brüder, verstehe die vom Erhabenen verkündete Lehre also, dass jene vom Erhabenen als verderblich bezeichneten Handlungen dem Thäter nicht nothwendig zum Verderben gereichen müssen.«