Einmal verwandelte er sich in eine ganz kleine Fliege und versteckte sich unter der Sahne auf der Milch in des Pfarrers Eßnapf, um auf diese Weise in ihn hineinzukommen und ihn zu töten. Als nun der Pfarrer den Eßnapf in die Hand nahm, entdeckte er die Fliege sofort; er wickelte deshalb erst die Sahne von der Milch um sie herum, zog die Blase von einem neugeborenen Kalb darüber und legte dann das Päckchen auf den Altar. Der Teufel mußte es sich nun gefallen lassen, darin zu hocken, während der Pfarrer die Messe las. Als sie vorbei war, machte Saemund das Päckchen auf und ließ den Teufel entschlüpfen.

Es wird aber versichert, daß der Teufel es für die schlimmste Klemme hielt, in die er je geraten war, daß er auf dem Altar liegen mußte, während Pfarrer Saemund die Messe las.

7. Die Teufelsflöte

Saemund der Weise hatte eine Flöte, die die Eigenschaft hatte, daß, wenn man darauf blies, ein oder mehrere Kleinteufelchen zu dem Flötenspieler kamen und fragten, was sie tun sollten.

Einmal hatte Saemund die Flöte in seinem Bett unter dem Kopfkissen liegen lassen, wo er sie nachts zu verstecken pflegte. Abends gebot er der Magd, sein Bett zu machen, wie sonst, warnte sie aber, wenn sie etwas Außergewöhnliches im Bett fände, es anzufassen, sie solle es liegen lassen, wo es läge.

Die Magd begann das Bett zu machen, kaum aber entdeckte sie die Flöte, als die Neugierde sie zu kitzeln begann. Sie nahm sie gleich in die Hand, besah sie sich von allen Seiten, und schließlich blies sie darauf. Da kam ein Teufelchen zu ihr und fragte sie: »Was soll ich tun?« Das Mädchen erschrak, ließ sich aber nichts anmerken.

Es traf sich, daß gerade an diesem Tage zehn von Pfarrer Saemunds Schafen geschlachtet worden waren und sämtliche Felle vor der Tür lagen. Da gebot die Magd dem Teufelchen hinauszugehen und alle Haare an den Fellen zu zählen, und wenn es damit fertig geworden wäre, ehe sie das Bett gemacht hätte, wollte sie sein werden. Das Teufelchen ging sofort hinaus und begann eifrig zu zählen, und die Magd beeilte sich, das Bett zu machen. Als sie damit fertig war, hatte das Teufelchen noch ein Fell zu zählen, und es kam um den Lohn.

Saemund fragte nachher die Magd, ob sie denn nichts im Bett gefunden hätte. Da erzählte sie ihm alles, wie es war, Saemund aber gefiel ihre Geistesgegenwart.

8. Der Teufel als Stallknecht

Saemund dem Weisen fehlte einmal ein Stallknecht, und er holte deshalb den Teufel und setzte ihn hin, den Stall zu hüten. Alles ging gut, und der Teufel erfüllte pünktlich seine Pflichten bis gegen das Frühjahr. Am ersten Osterfeiertag aber, als Sira Saemund auf der Kanzel stand, trug der Teufel den ganzen Mist auf einen Haufen vor der Kirchentür zusammen, so daß der Pfarrer nach beendetem Gottesdienst nicht aus der Kirche heraustreten konnte. Als er sah, wie es bestellt war, lud er den Teufel vor sich und ließ ihn, ob er nun wollte oder nicht, den ganzen Mist von der Kirchentür auf seinen Platz zurückbringen. Und so nachdrücklich ließ ihn der Pfarrer das Stück Arbeit ausführen, daß er ihn sogar die Reste mit der Zunge auflecken ließ. Da leckte der Teufel so stark, daß in dem Stein vor der Kirchentür ein Vertiefung entstand. Dieser Stein liegt noch immer in Odde, obgleich nur noch der vierte Teil davon übrig ist. Er liegt nun vor dem Hoftor, und noch heutigen Tages ist die Vertiefung in dem Stein zu sehen.