ic bidde u om een troostelijc woort,
soude uw hoghe couragie
schouwen sulke villeragie,
so doedi uwen dienaer een groot confoort,
die liefde van u mijn jonc herte doorboort.
So hatte denn bald das niederländische Volkslied weder Form noch Inhalt mit dem deutschen gemein und schied sich endlich ganz von demselben. Je eigenthümlicher es sich aber gestaltete, desto unpoetischer ward es.
Während in Flandern und Brabant der alte Volksgesang sich nur mündlich fortpflanzen und der neue sich nur mündlich entwickeln konnte—denn unter der spanischen Herrschaft zerstörte man die ganze Volkslitteratur und sorgte später eifrigst, dass nichts der Art mehr gedruckt wurde—druckte man in dem freien Holland Liederbücher in unendlicher Menge. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts war aber die holländische Volkspoesie ziemlich schon eins geworden mit der Kunstpoesie, der Geschmack des Volks war dieser zugewendet, und die wenigen alten Lieder, die noch vorhanden waren, erhielten sich nur dadurch, dass sie aus einem älteren Liederbuche immer wieder in ein neueres übergingen.
Neben der Kunstpoesie entstanden jedoch in Holland zwei Arten von Liedern, die mehr zur Volks- als Kunstdichtung gerechnet werden können: die Zamenspraken und Deuntjes oder nieuwe Liedjes.
Die Zamenspraken sind Zwiegespräche, oder eigentlich Wechselgesänge zwischen zwei Personen, worin selten ein anderer Gegenstand als die Liebe zur Sprache kommt; entweder fleht ein Schäfer seine Schäferin um Erhörung an, oder ein Bauer bietet seine Hand einer schmucken Dirne, oder ein Graf, wenn nicht gar ein Prinz, verliebt sich in ein hübsches Landmädchen, was ihm aber einen Korb gibt, und dgl. Ich finde in allen diesen Wechselgesängen selten einen poetischen Gedanken, als etwa:
Wat nieuwe mare brengt gij aan?