»Nein, ich will nicht sprechen. Ich habe Furcht vor dem Eigenen in mir. Immer wieder drängt es sich noch herzu. Es muß aus mir sprechen, ohne mich. Komm, sieh die Sonne an, erzähle mir. Sprich von dir. Wie du bei mir von dir sprechen mußt, wird es dich frei und glücklich machen, denn unter meinen Augen verstehst du dich. Oh, wie ich dich liebe, weil du durstig bist.«

»So sag' mir noch eins, nur eines, was ist die Liebe? Ist sie ein Element, außerhalb unserer, eine Kraft, die in uns einzieht, eine Gnade, der wir teilhaftig werden? Wo ist ihr Ursprung, wo ihr Ende, wo ist ihr Sinn?«

Da hob Asja ihr Kinderhaupt aus dem weißen Kissenlager, neigte sich mir zu und sah mich an. Mir war, als bedrohte ihr Auge mich in einem unirdischen Schein, ich erbebte und tauchte in ihren Blick, der klar und still war. Ein unbeschreibbares Lächeln voll süßer Traurigkeit trug diese Stille zu mir. Da fühlte ich mein Herz wie Feuer brennen, schwieg und wußte, daß ich nie mehr im Leben diese Frage stellen würde.


Ihr sonderbaren Tage meines Lebens; Menschen, Wind und Sternbilder, Raum und Stunden aus dieser Zeit, wo seid ihr? Ich war ausgefüllt von innerem Erleben und Gesichten, getragen von Fülle und Licht ohne Ende, und wußte es kaum. Die Dinge der Umwelt zogen fremd an mir vorüber, ich beachtete sie nicht und begreife heute schwer, wie es hat möglich sein können, daß ich mein äußeres Dasein ohne Not fristete. Es geschahen Wunder, aber ich empfand sie nicht, merkwürdige Umstände traten ein, die mir alles erleichterten und möglich machten, ich nahm sie hin, als seien sie selbstverständlich, wie das Tageslicht oder die Luft. Wenn ich heute zurückdenke, so staune ich mit heimlichem Erzittern, und wo ich einst kleine Geschehnisse verwundert belächelte und ihnen kaum Beachtung schenkte, wo Fügungen eintraten, die ich Zufälle nannte, ohne mehr als einen Blick auf sie zu verlieren, die ich rasch vergaß und ohne Dank hinnahm, da sehe ich heute himmlische Engel, die in gewaltiger Macht Abgründe überbrückten und Berge versetzten, die die Nacht zum Tage machten und meine Augen vor allzu blendendem Erstrahlen schützten. Heute erkenne ich das Gesetz, das über meinem Leben waltete, das mich, aus mir stammend, in sich verwob und ward, indem ich war. Du Eines und du Alles, was suche ich nach deinem Namen? Es war alles gut! Das ist dein Name.

Eines Abends, als ich von Asja kam, empfing meine Zimmerwirtin mich wartend in meiner Kammer. Sie schien sich im Raum umgesehen zu haben, der Schrank stand offen, ich verschloß ihn für gewöhnlich nicht, da er leer war. Sie hatte ein paar Wäschestücke in der Hand, die aber wahrscheinlich nicht mir gehörten, und schien auf dem Tisch umhergesucht zu haben. Als sie mich ansah, erstarben der Unwille und die Besorgnis auf ihren Zügen, sie lächelte und setzte sich auf den Bettrand.

»Soll das so weiter gehen?« fragte sie mütterlich.

Ich beschloß alles einzusehen, um den Wohlstand ihres Gesichts nicht zu stören und sagte eifrig:

»Ich werde es ändern, es wird schon gehen.«

»Sie gehen nicht mehr in die Druckerei?«