Ich wartete und hoffte darauf, daß die Sicherheit ihrer Antwort mir die innere Haltung schenkte, selbst zu sehen, was ihre Augen schauten, aber es blieb alles ungewiß in mir, und die Wege meiner Gedanken verirrten sich im Dunkeln.
»Sag' mir das Licht, in dem die Unerwählten stehen, und ich will schweigen und warten«, sagte ich.
»Sie stehen im Licht der Erwählten«, antwortete Asja. »Die Liebe scheidet und läßt sich nicht vermischen, das ist ihre Kraft und Herrlichkeit. Satan mischt und legt die Namen der Liebe an die laue und falsche Gestalt. Wer sind die Erwählten, daß du von ihnen sprichst, als seien sie im Sinn der Welt bevorteilt? Erwählt sein, heißt von der Liebe erwählt sein, zum Weg ihres Lichts. Glaubst du, solch heilige Gunst raffte den Wert an sich, um ihn für sich zu besitzen, gesättigt, zufrieden, selbstsüchtig? Sie strahlt ihn aus! Und je reiner ein Herz dies Licht ausstrahlt, um so eher ist es erwählt. Wer hat das große Wort auf Gunst und Wohlstand des zeitlichen Lebens ausgelegt? Wer hat es unter den Schein von kleiner Tugend und armseligen Lohn gestellt und in einen Rangstreit des Vorteils gezogen? Ich bin betrübt. Wieviel Angst muß in der Welt sein! Was von der Erlösung galt, das haben die Menschen in den Widerstreit von Vorteil und Besitz getragen. Ich habe Angst vor der Macht des Satan!«
»Wer ist Satan?«
»Steht er neben dir, daß du so fragst? Satans Reich ist überall, wo Gottes Reich nicht ist. Wenn du zum Bild der Liebe das Bild Gottes setzt, so setze für das Bild der Nichtliebe das Bild Satans. Sagt nicht der Böse von ihm! Er möchte euch im Bild dessen überlisten, was ihr das Gute nennt.«
Ich raffte mich zu einer raschen Frage auf, aber sie sah mich drohend an und rief laut:
»Schweig!«
Und wieder, wie einst, als eine harte Absage mich betroffen hatte, neigte sie sich über meine Hand und drückte ihre Lippen darauf. Erst nach einer Weile hob sie die Stirn und sagte fröhlich:
»Ich kenne ein altes Lied, willst du es hören? Es lautet so:
Ich möchte dich beglücken und kann nicht dunkel sein. So tritt mit deinem Zweifel in meiner Liebe Schein.