Ich habe manchmal vor ihm, wie vor einem Rivalen, gezittert. Ich sag es offen! Heute abend aber, zum ersten Male, bin ich ihm ganz überlegen. Er mag kommen oder nicht — ich fühle keine Angst mehr. Mein Wille ist fest.
von Tuchmeyer:
Bald wirst du im Saal stehn!
Cherubim:
Laß uns die Zeit bis dahin nützen. Ich meine, ich muß mit dir reden: denn du, der Sohn des Geheimen Kommerzienrats, hast dein Erbe für uns verschwendet. Mit dir steigen und fallen wir. Mein lieber von Tuchmeyer! Der Teufel hole deinen Vater, hätte er etwas erworben, was auf die Dauer seinem Sohne weniger Nutzen brächte als eine gute Fabrik oder ein Bergwerk. Deshalb unterrichte ich dich über alle Schwankungen, denen dein Kapital ausgesetzt ist, und ich glaube, ich bin heute Abend zu einer befriedigenden Bilanz gelangt.
von Tuchmeyer:
Lieber Cherubim! Solange mein Vater lebte, saß ich jeden Tag in seinem Bureau als armer Kommis, und der Tod war für mich eine heitre Sache. Erst, seitdem ich dich kenne, weiß ich, daß man trotz seines Geldes leben kann: Deshalb ist mein Glaube an dich ungeheuer.
Mein Vater hat mich für seine Rechnung arbeiten lassen und mich ebenso betrogen, wie jeden Koofmich in Russisch-Polen. Wäre er nicht zur rechten Zeit gestorben, als ich die hundsföttische Sklaverei erkannte, ich glaube, ich hätte ihn ... und so weiter. Noch heute denke ich mit Übelkeit an dies väterliche Instrument mit der doppelten Buchführung, an diesen jüdischen Jobber, der mir mit seiner Speckigkeit die schönsten Jahre verdorben hat. Deshalb bitte ich dich — sprich mir nicht von Bilanzen: ich werde sonst wahnsinnig!
Cherubim:
Ich fühle mich verantwortlich — mehr als du glaubst. Ich weiß, du bist nicht fähig, einen Wechsel zu lösen, und wenn du die Seligkeit mit einer Unterschrift beglaubigen müßtest, du würdest sie lieber verschlafen. Du bist herrlich, aber du hast von Werten keine Ahnung. Ich will nicht, daß du eines Tages arm bist. Dein Vermögen fundiert unsre Idee. Was wären wir ohne dich? Kleine Schlucker, die nicht einmal ein Lokal hätten, wo sie diskutierten. Ich habe dich zu einem Edelmut verlockt, den du eines Tages bereuen könntest. Nein, erröte nicht — es ist so! Übrigens werde ich ja gleich im Saale ganz anders reden. Es handelt sich doch hier um dich und um mich — deshalb unter vier Augen.