von Tuchmeyer:
Auf alles, was du mir sagst, werde ich immer erwidern: ich wäre tief unglücklich, könnte ich das blöde Geld, das mein Vater zusammengemistet, nicht irgendeinem gemeinsamen Gedanken unter Menschen zurückgeben. Es ist doch nur gerecht, wenn in Unfreude Erworbenes, an dem so viel Unglück klebt, wieder der Freude fruchtbar wird! Ich brenne förmlich auf ungeahnte Sensationen, daß man sie, allen Idioten zum Trotz, auf der Erde verwirklicht. Wie herrlich ist dieser Kampf gegen die Welt! Und wenn es schon die zehn Gebote gibt, eins davon sehe ich darin, meinen Vater aus der Erinnerung der Lebenden auszulöschen. Nebenbei bin ich durchaus ein Egoist und habe mein Vergnügen dran.
Cherubim:
Gut; so höre!
Vor heute genau einem Jahr trafen wir uns zufällig: du, der Freund, der Fürst und ich, in einer unscheinbaren Bar. Mit einigen Libertinen, die uns die Zwischenräume diskutierter Nächte durch angenehme Spiele vertrieben, taten wir uns zusammen zu einem Klub und nannten ihn »Zur Erhaltung der Freude.« Wir haben uns seitdem des öftern gesehen und einige Orgien gefeiert. Aber ich frage dich: Was ist geschehn? Kein Dogma wurde verkündet, dagegen schlossen etliche Jünglinge, deren Wechsel klein ist, und einige unbefriedigte Damen sich uns an. — Habe ich unrecht, so unterbrich mich!
Es ist nicht nötig, daß wir mit den Sternen in Konkurrenz treten, in China Revolution machen oder eine Entdeckung im Nervensystem des Frosches — all das können wir nicht. Wir haben den Ehrgeiz, es auch nicht zu tun. Aber es ist wichtig, daß man jene, die gleich dort im Saale sitzen, für etwas begeistert. Man muß ihnen klarmachen, daß im Verlaufe dieser zwölf Monate keiner von uns gestorben ist. Und das ist viel! Bedenke, was das Leben heißt.
von Tuchmeyer:
Ist das ein Widerspruch zu diesem Jahr?
Cherubim: