Gut. Du willst, ich soll dir vor allen die Maske vom Gesicht zerren. Ich werde dich nicht schonen. Kampf bis aufs Messer. Fällst du, wirst du mit Füßen getreten — und du fällst! (Die Musiker im Saal stimmen ihre Instrumente. Lichtschein und stärkeres Geräusch von vielen, schon Versammelten setzt ein.) Hörst du die Töne? Wirklich — bist du ohne Angst? Gib acht, ich rede gegen alles — und gegen dich. Deine Weiber und deine Locken nützen dir nichts. Ich weiß ja, wozu die Rosen und der Sekt dient! Bei meiner Rede wird nicht gespielt. Ich werde die Nichtigkeit deiner Argumente nachweisen — ich kenne dich auswendig! Ich lasse die Haubitzen des Zweifels auffahren: sieh zu, daß nicht all deine Freuden wie Luftblasen zerplatzen vor diesem Salut. Mein Sohn, es kommt die Stunde des Gerichts; auch ich bin gewappnet mit Feuer. (Brausende Versammlung im Saal.) Hörst du! Hörst du! Schon wirst du blaß. Nicht ein Erdbeben — ein kleines Wort wird dein Himmelreich vernichten. Ich hole die Gespenster aus allen Ecken hervor und lasse sie Walzer tanzen. Ich mache einen Totenkopf aus deinem Gesicht. Wie ein Revisor die Unterschlagung: ich deck dich auf! Man wird dich aus dem Saale steinigen, mein Freund!
Cherubim
(zitternd, ergreift eine Sektflasche und trinkt).
Der Freund:
Du trinkst noch? Mut! Du könntest stottern. Du willst keine Schonung — nun denn: ich bin verrucht genug, die Justiz zu rufen. Ich lasse dich wegen Aufreizung zur Unzucht verhaften. Da kannst du eine Zeitlang über deinen Blödsinn nachdenken. Weshalb sollst du nicht die Konsequenzen deiner Lehre tragen? Bessere als du sind am Kreuze gestorben.
Der Fürst:
Um Gottes willen, man rede nicht so vor meinem Staat! Ich bitte Sie, es ist doch kein Spaß. Wenn wirklich die Polizei kommt: ich kann Ihnen nicht helfen, ich bin noch nicht mündig. Wie denken Sie sich das?
Der Freund:
In dem Falle verschwinden Sie durch den Notausgang.
von Tuchmeyer