Nur noch viermal ist der Halleysche Wanderer seitdem wiedergekommen, jede Rückkehr gab aber jetzt einen geradezu kolossalen Einschlag.

Als er 1682 seine goldene Sonnenmeta nahm und dabei neu auch in Menschenaugen glänzte, schrieben zwar eifrige Theologen noch Traktätchen über die Zauberkraft des Gestirns, aus Rom berichtete man von einem wunderbaren, mit dem Bilde eines Kometen versehenen Ei, das eine Henne in solcher Kometenstunde gelegt haben sollte, und in Glarus exemplifizierte jemand eben an Halleys Komet noch einmal mustergültig hübsch in einer besonderen Schrift die vorsätzliche Zuchtruten-Natur aller Kometen, womit Gott den Menschen zu verstehen geben wolle, »daß sie sich des Rutenschlagens öfters sollten erinnern«.

Aber in der ernsten Gelehrtenzelle gingen Dörfel und Bernoulli zur gleichen Stunde schon unbeirrt an die Bahnberechnung dieser Eierzauberer und Gottesruten.

Dörfel erfaßte das Gesetz der großen Bahnbiegung, die auch ein ursprünglich geradlinig wandernder Komet in der Sonnennähe erleiden müsse, er faßte also endgültig etwa das, was uns heute der Johannesburger Komet, den die Sonne zwar zu sich heranbiegt, aber nicht dauernd fangen kann, vormacht.

Bernoulli träumte (im Kern auch mit einem richtigen Ansatz) von der engeren Vasallenschaft der Kometen zu unbekannten Planeten jenseits der Saturnbahn; wenn aber irgendwo eine solche Vasallenschaft »gefangener« Kometen schon existierte, so mußte sich auch für sie eine dauernd zurückführende Bahn berechnen lassen: ihre periodische Wiederkehr zur Sonne mußte sich vorher verkündigen lassen.

Aus allem Wust und Nebel blödsinniger Prophezeiungen, die der Komet selber tun sollte, hob sich endlich wieder die alte Form wissenschaftlicher Prophezeiung vom Menschenstandpunkt aus gegenüber dem Kometen, wie sie Seneca schon verkündet hatte, indem er prophezeite, man werde noch einmal in dieser Form prophezeien können.

Es war das Problem des Halleyschen Kometen jetzt selber, das erste Gestalt annahm, obwohl noch niemand direkt an ihn dabei dachte.

1759 war nach seinem kosmischen Vertrage das nächste Jahr seiner Wiederkehr. Als diesmal der Termin kam, schauten vollkommen neue Augen auf ihn. Das Größte war inzwischen wirklich getan. Menschengeist hatte diesen Vertrag begriffen. Und auf Grund dieses Vertrages war die Wiederkehr des Kometen zu diesem Jahr auf Grund wissenschaftlicher Rechnungen tatsächlich prophezeit worden.

Halley hatte die Tat getan. Noch einmal stand ein überragender Genius, einer der ganz Großen, zwischen der letzten und dieser Kometennähe: Newton. Seine Methode himmlischer Rechnung war für Halley schon maßgebend, als er 1705 eine der scheinbar einfachsten und doch damals noch kühnsten Vergleichungsarbeiten der ganzen Astronomie unternahm. Er verglich die von ihm errechneten Bahnen von drei Kometen der letzten beiden Jahrhunderte, von 1531, 1607 und 1682. Und aus den gleichmäßigen Ziffern zog er den Schluß, daß es sich um ein und denselben Kometen handeln müsse, der in rund gerechnet 76 Jahren je einmal in geschlossener Bahn die Sonne umkreise, also alle 76 Jahre auch einmal so in unsere Erdnähe kommen müsse, daß wir ihn sehen könnten.

Damit war der Vertrag dieses Kometen in Halleys Hand. Er konnte nach drei sicheren Vergangenheitsziffern wagen, auch eine Zukunftsziffer aus ihm herauszulesen. Auf der Wende von 1758 zu 1759 mußte der Komet wiederum sichtbar werden.