Der Halleysche Komet liegt ganz offenbar seit langer Zeit so, daß er mit seinem Kopf gerade nicht allzu eng ins Gedränge der mittleren Planetenbahnen kommt. Deshalb würden sie ihn in jenem Sinne auch seit mindestens zweitausend Jahren noch nicht in diesem Kopfteil auseinandergerissen haben. Was an ihm aber, eben wegen dieser dauernden Kopfstärke, nun für uns momentan bedenklich wird, das ist die Produktivität dieses Kopfes in der Schwanzbildung. Dieser Schwanz und nicht der Kopf soll zum Termin über uns wegfegen. Nach dem Fall Biela erscheint es aber so gut wie unmöglich, daß der Kopf eine kompakte harte Stoßmasse ist, wie viel weniger also der Schweif. Was wir auch hier erwarten müßten, wäre fortgewirbelte Sternschnuppenmaterie, die, in unsere Erdbahn übertretend und uns umwirbelnd, tatsächlich auch eine Art »Fall Biela« schüfe: einen mehr oder minder starken Sternschnuppenregen ohne alle Gefahr.
Unsere Erfahrungen seit 1835 widersprechen aber selbst dem bei dem Schweif noch als »zuviel«. Dazu sind allerdings wieder weitere Tatsachen auch über den Fall Biela hinaus nötig, Tatsachen, die zuallernächst noch einmal mitten in den großen Chok und Schreck vor jeglicher Kometenbegegnung gerade hineinführen.
In die letzten sechsundsiebzig Halley-Jahre fällt die Entdeckung der Spektralanalyse.
Wir haben mit ihr bekanntlich eine Methode gewonnen, die uns unter Umständen aus dem Licht direkt ablesen läßt, was für ein Stoff in der Lichtquelle brennt. Das Licht wird mit Hilfe eines mehrseitig geschliffenen Glases, eines Prisma, zerlegt und in dem entstehenden Farbenbande (Spektrum) zeigen sich gewisse charakteristische Unterschiede je nach den verschiedenen leuchtenden Substanzen, die ein solches Urteil in sehr vielen Fällen ermöglichen. Auf diesem Wege haben wir Aufschluß gewonnen über die Gase, die in der äußeren Hülle der Sonne und der anderen Fixsterne glühen, wie über den leuchtenden Stoffinhalt ferner Nebelflecke. Wir können aus dem Spektrum entnehmen, ob auf solchem entlegenen Weltkörper glühende Gase leuchten oder festere Stoffe in Weißglut. Die Gase sind dann infolge ihrer in allen Einzelfällen höchst charakteristisch angeordneten bunten Linien im Spektrum meist aufs treffsicherste mit irdischen, uns direkt zum Vergleich zugänglichen zu identifizieren.
Diese sinnreiche Methode wurde nun auch auf die Kometen angewandt, soweit solche in der Zeit disponibel waren.
Das erste feste Resultat war, daß vom Kometen bei seiner Sonnenannäherung nicht bloß einfaches Sonnenlicht zu uns herüberglänzt, das er zurückwirft wie unsere Erde oder die Venus oder der Mars, ohne selber etwas dazu zu tun. Außer solchem reflektierten Licht leuchtet der Komet durchweg noch mit etwas Besonderem, etwas Eigenem. Aus diesem Eigenlicht würde sich also eventuell etwas über seine stoffliche Beschaffenheit ablesen lassen, und in der Tat glückt das.
Im Kometen leuchten Gase, und zwar in immer verstärktem Maße, je näher er der Sonne kommt. Und zwar sind es Gase, deren Spektrum eine Identifizierung mit bestimmten, uns auf der Erde gut bekannten Stoffen ebenfalls möglich macht.
In erster Linie kommt der Stoff in Betracht, der in unserm irdischen Petroleum brennt, nämlich Kohlenwasserstoff. Ferner konnten Kohlenoxyd, Cyan und reiner Wasserstoff nachgewiesen werden. Endlich zeigten einige Kometenköpfe in den Momenten, da sie außerordentlich nah an der Glutoberfläche der Sonne vorüberglitten, unverkennbar deutlich das gelbe Licht des Natriums, also des verdampfenden Kochsalzes, und merkbar zuletzt auch Eisendämpfe.
An sich können diese Befunde nicht überraschen.