Dazu noch zwei weitere Möglichkeiten.

Entweder kämen im Kometenschweif noch direkt heißglühende Dämpfe zu uns, zum Beispiel ein konzentrierter Strahl Eisendampf aus dem in der Sonnennähe geschmolzenen und verdampften Meteoritenmaterial.

Oder es schlügen entsetzliche elektrische Entladungen mit allverheerenden Blitzen aus dem Schweif zu uns nieder, die der Menschheit im ganzen das Los eines jener Opfer auf den bekannten elektrischen Hinrichtungsstühlen der Nordamerikaner schüfen.

In allen Formen laufen gerade diese bösen Hypothesen heute wieder herum. Der Halleyschweif soll uns in der kritischen Stunde mit Cyan vergiften oder versengen oder zerblitzen, auch wenn sonst nur ein Sternschnuppenregen durch seine eigentliche Stoßsubstanz entstände.

Wir hätten die Wahl wie die Leute in Pompeji und Martinique. Der dicke Plinius selber erstickte bekanntlich bei jenem schrecklichen Vesuvausbruch, auch ohne einen Stein dabei an den Kopf zu bekommen; in Martinique gab es eine versengende Stichflamme alle Häuser entlang, die schnell wie ein Blitz zuckte; auch echte Blitze schlagen aber aus jeder Vulkanwolke. Eine angenehme Wahl um den gleichen Preis!

So hübsch auch das aber wieder einmal ausgedacht ist, um uns durchaus kometarisch tot zu kriegen: es hapert auch hier.

Jene Funde der Spektralanalyse sind an sich auf jeden Fall wichtig. In ihnen selbst steckt aber bereits ein merkwürdiger Fingerzeig nach ganz bestimmter Seite.

Der spektroskopische Nachweis gewisser Substanzen, wie Kohlenoxyd oder Natrium, in einer solchen fernen Lichtwolke gibt für sich noch keinen direkten Anhalt, wie dicht der betreffende Stoff in der gesamten, doch offenbar so ungeheuerlich weit ausgedehnten kometarischen Wolke enthalten sei; er kann enorm verdünnt sein. Wenn der Stoff, wie zum Beispiel das Natrium, sich im Kometenkern bei dessen Sonnennähe erst sichtbarlich entwickelt und dann in einem Schweif von da abdampft, der mehrere Millionen Meilen lang und entsprechend als breites Lichtband ungeheuerlich dick in die Weite geht, so wird die stärkste Verdünnung, zumal gegen das Ende des Schweifs (also das, was uns bei dem Halleyschen Ungeheuer allein packen kann), die wahrscheinlichere werden. Wie weit wir das aber treiben wollen, dafür wird zunächst jene elektrische Erwägung schon bedeutsam.

Elektrische Leuchtprozesse der bezeichneten Art werden wir uns im allgemeinen nur bei einem Gebilde vorstellen können, dessen Substanz sich mindestens in den hierfür in Betracht kommenden Partikelchen in einem Stadium höchst beträchtlicher Verdünnung befindet. Gerade solche feinsten und allerfeinsten Partikelchen werden wir uns aber bei der allgemeinen Sachlage doch am liebsten im Schweif ausströmend denken.

Schon sehr frühen Beobachtern und späteren, kritischeren immer mehr ist nämlich aufgefallen, wie dünn doch dem reinen Anblick nach schon die Schweifmaterie aussehe. Seneca wußte schon (und es werden es also wahrscheinlich schon die Pythagoreer und die alten Babylonier gewußt haben), daß man durch diese ungeheuren Leuchtbänder durch und durch sehen könne bis auf die dahinter schimmernden Sterne. Bessel und Struve haben das mit den feinsten Messungen dahin präzisiert, daß man faktisch auch nicht die geringste Ablenkung des Lichts bei solchen durchscheinenden Sternen im Kometenschweif nachweisen könne.