Das ist gewiß eine ganz außerordentlich frappante Sache. Bei unserem Erdmond vermißt man, wenn ein Stern seinem Rand nahe kommt, ebenfalls jede Spur einer solchen Lichtbrechung, und man zieht den Schluß daraus, daß der Mond noch keine Atmosphäre haben könne, die auch nur ein Tausendstel von der Dichtigkeit unserer irdischen besitze. Die allgemein auch in Laienkreisen verbreitete Annahme, daß der Mond absolut »luftlos« sei, gründet sich auf diesen Schluß. Ein Mensch würde also, in solchen Kometenschweif versetzt, zunächst überhaupt wegen kompletten Luftmangels für seine Lunge ersticken.

Dabei sieht man aber in den dickeren Kometenschweifen ganz bestimmt durch eine Lichtwolke von vielen tausenden (bis zwanzigtausend) Meilen Tiefe. Zwanzigtausend Meilen tief ein dauerndes Lichtglimmen, durch das für uns der Anblick der Schweifdicke entsteht: und doch auf dieser ganzen Strecke kein Stoff, der auch nur dem Tausendstel unserer Erdluft entspräche! Man ahnt, um was für homöopathische Verdünnungen der Stoffe es sich hier handeln muß, einerlei, ob das nun gefährliche oder ungefährliche Stoffe für unsere Lebensprozesse sein sollen.

Schon der französische Akademiker Babinet hat also auch das Wort geprägt vom »sichtbaren Nichts«, als das solcher Kometenschweif sich allen gröberen chemischen Sondierungen gegenüberstellen müsse.

Olbers dachte sich die einzelnen Schweifteilchen so weit und einzeln zerstreut im allgemeinen Äther der Planetenräume herumschwirrend, wie auf unserer Erde unendlich feine Wasserteilchen in gewissen von fern glänzenden Nebeln weit getrennt schweben, Nebeln, die doch in Hinsicht der Strahlenbrechung des Lichts und anderer Wirkungen sich nicht im mindesten anders verhalten als pure Luft. Als eine Art Äthernebel ginge der Kometenschwanz vor uns dahin, nur von weitem wie ein neckendes Phantom dem Auge sichtbar, beim Versuch des Ergreifens aber (und wäre die greifende Hand auch nur der Lichtstrahl) völlig unfaßbar gleich den Gespenstern des Märchens.

Hier aber muß sich jetzt noch ein Gedanke einmischen, der von einer dritten Seite in die gleiche Richtung lenkt.

Was treibt denn überhaupt die Schweifmaterie von der Sonne fort?

Was bewirkt eben das, was uns heute mit dem Halleyschen Kometen in Berührung bringen soll, wenn sein Kopf zwischen uns und der Sonne steht?

Der Kometenkopf, mag er selber auch ein noch so leichtes Meteoritenwölkchen sein, dessen Stoff auch bereits in sehr weiter Zerstreuung schwebt, folgt als Ganzes doch unabänderlich noch dem allwaltenden Gesetz der Schwere, der Riesin Gravitation. Jedes beliebige meteorische Einzelstäubchen, das als Sternschnuppe bei uns verpufft, tut das ja noch, warum nicht er? Wäre es nicht der Fall, so hätte die Sonne ja nie über ihn Macht gewinnen, seine Bahn zu sich heranbeugen, ja ihn unter Umständen (wie bei dem Halleyschen Gebilde) in die Verträge ihrer festen Vasallen mit hinein schmieden können. Als absoluter Gravitationssklave stürzt solch ein gefangener Kern wie der Halleysche allemal wieder in seinem 76. Jahr an uns vorbei zur Sonne hin und in wirbelnder Jagd ganz nahe um sie herum.

Aber gleichzeitig macht sich mit dieser seiner Sonnenannäherung auch etwas von hier aus schlechterdings Rätselhaftes geltend, nämlich eben das Abströmen des Schweifes vom Kern direkt von der Sonne fort.