Man muß diese Vergleichsbilder kennen, wenn auf der einen Seite ein Forscher sagt, ein Kometenschweif erscheine ihm wie ein »leuchtendes Nichts« … und auf der anderen Weltuntergangsängste umlaufen, die unter dem gleichen Gebilde sich ein Ding etwa wie eine weißglühende Stange vorstellen, die mit zerschmetternder Vehemenz gegen unsere Erde schlagen wird …
Resümieren wir also noch einmal unser Los in der kritischen Nacht vom 18. zum 19. Mai.
Nach der vorläufig besten und neuesten Berechnung liegt die eigentlich bedeutsame Nachtstunde für uns in Deutschland genau zwischen morgens 3 Uhr 22 Minuten und 4 Uhr 22 Minuten. Sie gehört also nach unserer bürgerlichen Datierung bereits dem 19. Mai an, während der Astronom sie nach seiner Berechnungsart noch zum 18. Mai zählt. Über eventuelle Verschiebungen des engeren Termins werden im letzten Momente ja noch alle Zeitungen wie bei einer wichtigen Theaterpremiere berichten.
In dieser Stunde also geht der Komet genau zwischen der Sonne und unserer Erde durch. In Australien, in der Südsee und in Ostasien wird man direkt beobachten können, wie der Kometenkopf scheinbar in die Sonnenscheibe eintritt, um sie erst nach einer ganzen Stunde des Vorbeipassierens wieder zu verlassen.
Während dieser Stunde aber wird die Erde selbst durch den Kometenschweif gehen, und wenn dieser Schweif angetan wäre, wirklich unsere Atmosphäre mit irgend etwas Schrecklichem zu versetzen, so würde sich dieses Schreckliche dann alsbald unaufhaltsam durch unsern gesamten Luftkreis verbreiten müssen.
Was ist nun in Wahrheit zu erwarten?
Da uns nicht ein Kometenkopf berührt, sondern nur der Ausläufer eines Kometenschweifs, ist es nicht wahrscheinlich, daß wir direkt noch meteorischen Staub von der Stärke in unseren obersten Atmosphäreschichten erhalten, daß ein Sternschnuppenregen auftritt; schade, denn dieses Schauspiel wäre ebenso ungefährlich wie schön, und es lohnte, daß man eine Nacht darum aufbliebe.
Ausgeschlossen sind nach aller bestehenden Theorie sowohl katastrophenhafte Stoßerscheinungen, wie Gefahren durch explosible oder giftige Stoffe.
Denkbar wäre dagegen zu dem kritischen Termin eine bestimmte Sorte irdischer Feinwirkung, die wir diesmal zum erstenmal genau feststellen könnten, weil wir zum erstenmal die nötigen Apparate dafür zur Verfügung haben. Auch ihr geht jeder katastrophenhafte, uns und unsere Technik gefährdende Charakter ab, dagegen handelt es sich um die Möglichkeit von sowohl wissenschaftlich wie technisch wertvollen Feststellungen.