Anhalt haben wir gerade dafür nicht.

Ein Einfluß jener elfjährigen Sonnenfleckenperiode auf unsere irdischen Witterungsverhältnisse ist bisher nicht sicher nachgewiesen. Daß wir im ganzen heute auf eine Epoche stärkeren Vulkanismus wie (im Zusammenhang mit vielleicht wieder einsetzender Gebirgsbildung) stärkerer Erdbeben losgehen, ist an sich wahrscheinlich (daher Martinique, Messina und so weiter), es fragt sich aber durchaus, ob da der Barometerstand des Augenblicks wirklich im größeren Sinne mitspielen kann, und abermals fragt sich, ob elektromagnetische Erdstörungen nun wieder diesen Barometerstand beeinflussen.

Schließlich: hier überall könnten wir nur lernen, und wir wollen lernen. Gibt die Kometenkrisis einen besonders heftigen Wettersturz, so wäre das eine lehrreiche Tatsache. Wahrscheinlich nach dem bisher Vorliegenden ist sie nicht, aber dieses »Vorliegende« ist stets nur ein »Vorbericht«. Unfehlbar ist sein Votum nie.

Ja: unfehlbar!

Hier wollen wir natürlich nicht ins Übertriebene fallen.

Alle Forschungsergebnisse bis heute sind nur ein Annäherungswert.

Es kann schlechterdings Unbekanntes geben, das die Erde, das Sonnensystem, die ganze Fixsternwelt in diesem Moment, da diese Zeile gelesen wird, in unfaßbaren Hitzegraden zu Gas verflüchtigt. Es kann. Die Forschung gibt ihre Argumente, zu mehr ist sie nicht verpflichtet. Der Arzt kann einen Menschen untersuchen und für kerngesund erklären und er kann im nächsten Moment am Herzschlag sterben. Die Erde kann im Moment, da wir auf den Kometen warten, durch eine unzusammenhängende Katastrophe, die von Alpha Zentauri über acht oder zehn Billionen Meilen zu uns herübergreift, vernichtet werden. Jeder von uns kann in Monte Carlo die Bank sprengen; damit zu rechnen ist aber nicht empfehlenswert, obwohl diese Wahrscheinlichkeit sicherlich sehr viel geringer ist, als daß eine Welt, die seit hundert und mehr Jahrmillionen ohne kosmische Katastrophe sich glatt weiterentwickelt hat, gerade uns Eintagsfliegen dieser lebenden Menschengeneration den Gefallen tun sollte, unterzugehen.


Herr Professor Semmler zu Halle um 1770 betonte (es ist erzählt), daß Kometen keinen direkten physischen Einfluß auf unsere Reiche, Republiken und Regierungen hätten, daß es hingegen dem beschaulichen Menschen frei stehe, sich bei ihnen das eine oder andere Erbauliche auch ohne besonderen Zusammenhang ins Gedächtnis zu rufen. Der Mann hat in einem Punkte recht.

Wenn wir heute beinah etwas betrübt hinzufügen müssen, daß es auch mit der neueren Sensation des Versengens, Vergiftens, Versalzens und Bombardierens seitens des Kometenschweifs aller menschlichen Voraussetzung nach nichts ist, so muß uns doch unbenommen bleiben, in der kommenden Kometenstunde das eine oder andere zu denken, das zwar keinerlei Zusammenhang mit dem Kometen da oben hat, aber an sich hübsch und nützlich zu denken ist in allen ernsten und guten Stunden.