Im elenden Trott sollen wir wieder weiterschuften, immer mit kleinen Sparrationen, wie Südpolfahrer; Vorsicht, morgen ist noch ein Tag und die Woche hat noch fünf, hebt Reserven auf, Reserven für die Enkel und Urenkel.
Gewiß, auch das läßt sich sagen. Aber zuletzt ist es auch nur der uralte Kometen-Pessimismus, der selbst damit nicht zufrieden ist, daß die Welt nicht untergeht …
Und schließlich glauben wir doch alle nicht daran, wir Menschen von 1910, mit unserer Kraft und unserer Sehnsucht.
Nein. Laßt uns die heilige Kometenstunde (um denn endlich das darin zu finden, was von je wirklich das Grundgegenteil aller Kometengedanken gewesen ist) mit einem stillen Glas und vielleicht einem stillen Kuß auf schöne Lippen dem ewigen Wunder des Gedankens, der Liebe und der Schönheit weihen, dem unbesiegbaren Sonnenzauber dieser alten Welt, den keine kalten Sterne jemals haben bedrohen können.
Und dann …?
»Worauf«, spricht ein alter Chronikschreiber, der das letzte Wort haben mag, (nachdem sie nämlich wieder einmal vergebens auf den Weltuntergang gewartet hatten) »Worauf alle wieder an ihre Arbeit gingen, als wenn garnichts geschehen wäre.«
Von Wilhelm Bölsche erschien im gleichen Verlage
W. Bölsche, Das Liebesleben in der Natur. Eine Entwickelungsgeschichte der Liebe. Stark vermehrte und umgearbeitete Ausgabe. 2 Bde. 30.-35. Tausend. br. à M. 6.–, geb. à M. 7.50
Neue Weltanschauung: Das bekannteste Werk Bölsches erscheint jetzt in einer neuen zweibändigen Ausgabe und zu einem wesentlich ermäßigten Preise, so daß es auch Kreisen zugänglich wird, denen die dreibändige Ausgabe zu teuer war. Daß der Verfasser bei der Neuausgabe alle Fortschritte der Wissenschaft berücksichtigt hat, braucht kaum bemerkt zu werden. Im Mittelpunkt der ganzen Darstellung steht der Grundgedanke, daß der Mensch mit seinem ganzen Wesen im Tierreich wurzelt, daß er ein Teil desselben ist, sich aus ihm im Laufe ungezählter Millionen Jahre historisch entwickelt hat. Der eigentliche Gegenstand des Buches ist eine allgemeinverständliche Darstellung der Zeugungs- und Entwickelungsverhältnisse im Tierreich mit Einschluß des Menschen. Bölsche beschränkt sich dabei nicht darauf, aus der umfangreichen Fachliteratur die einschlägigen Tatsachen herauszusuchen und zusammenzustellen, sondern er betrachtet diese Tatsachen lediglich als ein Gerüst, das seine oft weit ausgreifenden naturphilosophischen, künstlerischen und ästhetischen Ausführungen stützen soll. Da, wo mitunter – nach Ansicht gewisser Leute – sogar heikle Dinge berührt werden mußten, läßt der Verfasser auch den Humor zur Geltung kommen. Es ist gewiß keine leichte Aufgabe, für ein Laienpublikum eine solche Entwicklungsgeschichte der Fortpflanzung zu schreiben, und gar ohne Abbildungen.