W. Bölsche, Die Mittagsgöttin. Roman. 2 Bände. 4. Aufl. br. M. 7.–, geb. M. 9.–
Velhagen & Klasings Monatshefte: Ein Werk, reich wie das Leben selbst, vom frischesten Wirklichkeitshauch durchweht und doch zugleich von hoher Idealität erfüllt, eine Weltanschauungsdichtung im großen Stil. Humor und Tragik, Pathos und Pikanterie, Realistik und Romantik, Zartes und Derbes in buntem Gemenge, in sprießender Fülle. Charakterzeichnungen von einer Schärfe und Deutlichkeit in jeder Linie und psychologisch so vertieft, daß sie den Vergleich mit keinen anderen Gebilden der neueren Literatur zu scheuen haben. Und als Untergrund ein Mosaik von Großstadt- und Landschaftsschilderungen, in denen sich ebenso glänzend die Akribie des Naturforschers wie die Stimmungsgewalt des Lyrikers offenbart. Die Farbenpracht dieser Schilderungen hat etwas Berauschendes; nur hier und da wirkt die Überfülle des Details ermüdend und verwirrend. Berlin und der Spreewald bilden den Schauplatz des Romans; was diese packenden Gegensätze an Reiz und Inhalt bieten, das hat der Dichter so gut wie ausgeschöpft. Inhaltlich führt der Roman mitten in die Geisteskämpfe der Gegenwart. Seinen Stoff entnimmt er dem spiritistischen Treiben unserer Tage, aber Bölsche erfaßt den Gegenstand tief genug, um in dem Werke die gesamten Gegensätze des heutigen Weltanschauungskampfes widerzuspiegeln. Und dieser Kampf vollzieht sich nicht in einem Für und Wider von abstrakten Deduktionen, sondern in der Seele einer bedeutenden Persönlichkeit, die ein leidenschaftliches Streben nach Wahrheit erfüllt.
Essaybände von Wilhelm Bölsche
W. Bölsche, Naturgeheimnis. 8. Tausend. br. M. 5.–, geb. M. 6.50
Weserzeitung: Goethe und Haeckel – wie oft hat Bölsche diese beiden großen Pioniere schon in seiner eigenartigen geistreichen Weise behandelt und auch im »Naturgeheimnis« bringt er sie wieder zusammen und läßt uns den Gleichklang vernehmen, der durch das Leben und Streben der beiden Forscher gegangen. Diesen volltönenden harmonischen Gleichklang, der aus einer großen Wahrheit hervorschauerte und ständig das Streben der beiden in wundervollen Rhythmen durchklang – aus der »Grundwahrheit Goethes von der Einheit der Natur«. »Und in dieser Einheit liegt alles, auch das Schöne«. Zu neuen Welten sucht Bölsche neue Wege. In jenem selten gefundenen Gleichbesitz von naturwissenschaftlicher und dichterischer Befähigung erschließen sich ihm unendliche Weiten zu jenen fernen Weihnachtsinseln einer glücklicheren Zukunft, wie in den »Visionen auf dem Palatin«, oder in dem grandiosen »Gespräch mit der Peterskuppel«. Wie die Geheimnisse ihn dort umstellen, dort »wo so unsagbar viel Menschensehnsucht sich verblutet« und er sich dann durch alle die Weltirrungen und Wirrungen hindurchfindet an der Hand der großen Weltlogik und der Naturgesetzlichkeit. So weiht er schließlich die schönste Kuppel der Erde »einer lichteren Zeit, freieren Menschen mit reinerem Sinn«, einer ferneren Zeit, da die Forschung eine religiöse Tat und jeder echte Forscher ein Priester sein wird.
W. Bölsche, Vom Bazillus zum Affenmenschen. 10. Tausend. br. M. 5.–, geb. M. 6.–
Aus dem Inhalt: Bazillus-Gedanken – Wenn der Komet kommt – Das Geheimnis des Südpols – Die Urgeschichte des Magens – Ein lebendes Tier aus der Urwelt – Der Affenmensch von Java – Das Märchen des Mars.
Deutsche Rundschau: Gleicht die wissenschaftliche Forschung dem Abbau eines Bergwerkes mit edlen Metallen, so entspricht die Arbeit der Popularisierung derjenigen der Hüttenwerke, in denen man das Metall befreit von den umgebenden Gestein. Da ist es denn sehr erfreulich, in Wilhelm Bölsche bei jener vermittelnden Arbeit einen Mann tätig zu wissen, der als der Freund solcher Gelehrter wie Haeckel nicht nur des Vertrauens, sondern als Publizist von seltenen Fähigkeiten auch der Liebe seines Publikums jeder Zeit sicher ist. Der Titel deutet an, in welcher Richtung sich die Ausführungen bewegen. Den Gedanken einer natürlichen Entwicklung, die in ununterbrochener Arbeit die höheren Arten langsam aus den niederen entstehen ließ, jenen großen Gedanken, auf dem unsere gesamte moderne Naturwissenschaft basiert, möchte auch das vorliegende Buch Wilhelm Bölsches einem weiteren Kreise verständlich machen. Hier soll gezeigt werden, daß die ewigen Gesetze des Werdens sich an kleinen und kleinsten Fällen ebensogut beobachten lassen wie an den gewaltigsten.