Hier geschieht die Heilung auf dieselbe Weise, wie bei den Zahnschmerzen, indem man sich nämlich ein Ohr mit dem Franzbranntwein füllt, oder eins um das andere. Es versteht sich von selbst, daß man sich dazu niederlegt, und auf der Seite ruhig verharrt, bis die Linderung eingetreten ist. Hat man sich nur erst an diese Methode herangewagt, so findet man sie bald angenehm, und fühlt sogar noch andere wohlthätige Wirkungen derselben.
Harthörigkeit und Taubheit.
Auch gegen dies Gebrechen beweist sich unser Mittel lindernd oder gänzlich beseitigend, wovon ich viele Beweise habe. Man verfährt hier ganz wie bei Zahn- und Ohrenschmerzen, jedoch so, daß man das Mittel Abends, nachdem man sich zu Bett gelegt hat, anwendet. Man läßt sich alsdann zuerst das Ohr füllen, auf welchem das Gehör am wenigsten geschwächt ist, und liegt damit zehn Minuten still; hierauf wird das andere Ohr gefüllt, in welchem man das Medicament die ganze Nacht hindurch läßt, wenn es nicht durch Umwenden im Schlafe von selbst ausfließt. Man glaube nicht, daß die Anwendung dieses Mittels am Schlafen hindere; im Gegentheil, es schläft sich vortrefflich dabei.
Zahngeschwüre.
Um diese zu beseitigen, feuchte man ein feines, leinenes Läppchen mit dem Medicament an, falte es zusammen, und lege es zwischen Gaumen und Wange auf das Zahngeschwür oder die brennende Stelle. Am besten ist es, wenn dies vor dem Schlafengehn geschieht, und das Läppchen die Nacht hindurch liegen bleibt. Die Linderung tritt auf der Stelle ein; doch muß man zur vollständigen Beseitigung des Zahngeschwürs und zur Vermeidung des Losewerdens der Zähne diese Operation einige Abende hinter einander wiederholen.
Ausschlag im Gesicht oder auf dem Kopf.
Er vergeht stets durch Einreibung des damit bedeckten Gesichts oder Kopfes mit unserm Medicament, welches, wenn der Ausschlag nur erst kurze Zeit steht, freilich etwas schmerzt, wodurch man sich jedoch nicht von der Einreibung abschrecken lassen darf. Steht der Ausschlag schon einige Wochen lang, oder ist er krebsartiger Natur, so ist die Operation gänzlich schmerzlos und der gute Erfolg unausbleiblich.
Wechselfieber und Fieberanfälle überhaupt.
Bei Fiebern wird der obere Theil des Kopfes vor dem Schlafengehn mit dem präparirten Franzbranntwein eingerieben, und am andern Morgen nimmt der Patient nüchtern und eine Stunde vor dem Frühstück zwei Eßlöffel des Medicaments, mit sechs Eßlöffeln heißen Wassers gemischt. Bei Frauen reicht die Hälfte hin. Dies Verfahren ist zwölf Tage hinter einander fortzusetzen, wenn auch das Fieber bereits vor Ablauf dieser Zeit verschwunden ist; dauert es aber noch über diese Periode hinaus, so fahre man mit Einreiben und Einnehmen auch ruhig fort, bis die Krankheit gewichen.
Während der Nordostwinde, die in der Gegend von Frankreich, welche ich bewohne, vor einiger Zeit sehr heftig wehten, klagten viele Leute über plötzliche Frost- oder Fieberschauer, heftiges Kopfweh, Brustschmerzen oder Seitenstechen, und wenn sie im Freien von diesen Uebeln ergriffen wurden, hatten sie Mühe, ihre Heimath zu erreichen, denn sie fühlten sich sogleich lebensgefährlich krank. Der erste von meinen Leuten, welcher heimgesucht wurde, schickte zum Arzt, der ihn stark zur Ader ließ, auf kärgliche Diät setzte, und ihn vom Tode rettete, obschon seine Genesung sehr langsam ging. Der zweite war einer meiner Forstleute, von dem ich nun erfuhr, er sei plötzlich gestorben. Der dritte war ein Knecht, der am Sonnabend erkrankte und am Sonntag schon starb. Der vierte endlich war ein junger Bursche auf einem meiner entlegenen Vorwerke, welches ich am Montage, dem Tage nach dem Tode des Knechtes, zufällig besuchte, und wo keine ärztliche Hülfe so schnell zu haben war. Ich erfuhr, er sei an diesem Tage wie gewöhnlich um drei Uhr aufgestanden, um das Vieh zu füttern, habe aber bald über Frost, Kopf- und Brustschmerz geklagt, und kaum sein Bett wieder erreichen können. Man erzählte mir, er sei sehr krank, und werde den nächsten Tag kaum mehr erleben. Ich besuchte ihn auf der Stelle, und fand jene Aussagen bestätigt. Obgleich man bereits nach einem Arzt geschickt hatte, glaubte ich doch, da es sich um einen meiner Diener handelte, vorläufig mein Mittel anwenden zu dürfen. Ich ließ ihm daher den Kopf mit der Flüssigkeit tüchtig waschen und einreiben, und gab ihm zwei Eßlöffel voll davon, mit eben so viel heißem Wasser gemischt, ein. Ehe ich ihn verließ, fragte ich ihn, wie es mit seinem Kopfe stehe: er sagte: — »gut.« Als ich am nächsten Tage wieder auf das Vorwerk kam und nach ihm fragte, hieß es: »O, der ist ganz wohl, und heute früh um drei Uhr schon wieder an die Arbeit gegangen.« Ich erfuhr, der Arzt sei über Land gefahren gewesen und nicht gekommen; bald darauf erschien auch der wieder hergestellte junge Bursche, um sich bei mir zu bedanken.