„Wo war denn der Wildfang wieder?“ sprach er gütig.

„In schrecklicher Gefangenschaft wegen Jagdfrevels, und hier sind meine Verfolger gleich mitgekommen, sie wollten sehen, ob ich die Wahrheit gesagt habe.“

Der Alte betrachtete wohlgefällig die beiden jungen Leute, die in ehrerbietiger Haltung vor ihm stehen blieben. Bald war die Abendmahlzeit gerichtet und verlief nicht minder heiter als das Mittagsmahl bei Frau Roxana.

In dem ersten Frühlicht ritten Andrei und Mirea wieder von dannen und waren nicht wenig überrascht, aus einem Fenster mit Blumen überschüttet zu werden. Wie[3] sie aber in die Höhe blickten, flog das Fenster zu und sie sahen niemand.

Dieser Tag war der Anfang von einer langen Reihe von Besuchen und Gegenbesuchen, von Jagden, Ritten und heimlichen Stunden, der Plauderei gewidmet.

Rolanda konnte auch ihre trüben Stunden haben, in denen sie noch viel anziehender wurde; dann sprach sie von den toten Eltern, und wie sie so ganz allein sei auf der Welt; der Großvater werde nicht lange mehr leben, und dann wisse sie nicht, wohin.[4]

„O welche Beleidigung!“ rief Andrei, „sind wir nicht Deine Brüder? Ist bei uns keine Heimat für Dich?“

„Hat die Mutter Dich nicht lieb?“ fügte Mirea hinzu.

Wieder zog Frau Roxanas Herz sich ängstlich zusammen, und doch hatte sie das wilde Kind unendlich lieb gewonnen.

Kurze Zeit nach diesem Gespräche erklang rasender Hufschlag den Berg hinauf, zum Hofe herein; es war Rolanda ohne Mütze mit flatternden Locken. Totenblaß stürzte sie zu Frau Roxana herein: