„Ich habe Eurer Herzen[1] schweren Kampf schon allzulange mit angesehen. Einer von Euch muß ein schweres Opfer bringen, damit der andre glücklich werde.“[2]
„Ja, einer von uns muß[3] aus der Welt!“ sprach Mirea dumpf.
„Um Gotteswillen,“ rief Rolanda, „doch[4] nicht kämpfen um mich!“
„O nein,“ sprach Andrei und lächelte wehmütig, „das wäre[5] unmöglich; man kann allein gehen.“
Frau Roxana hob die Hände: „O Ihr gottlosen Kinder! Habe ich Euch so schwach geboren und erzogen, daß keiner Kraft hat, den ersten Schmerz zu tragen! Rolanda, bis morgen sollst Du Bedenkzeit haben; bis morgen wollen wir Kraft und Mut gewinnen!“
So trennten sie sich.
Andrei aber schlug einen Waldweg ein nach Lespes, kniete im Felsenkirchlein nieder und sprach: „Mein Gott! Du kennst mein Herz und meine Kraft! Gieb, daß ich keine Sünde begehe, an mir selbst, an meiner Mutter, an meinem Bruder, an dein Weibe, das ich liebe; sondern, wenn sie mich nicht nehmen will, so mache mich zu Stein, damit ich nichts mehr fühlen muß!“ —
Auf einem andern Wege war Mirea auch zur Kirche gekommen und hatte dasselbe gebetet. Sie warfen sich[6] einen traurigen Blick zu und gingen jeder allein nach Hause; denn jeder glaubte, er allein habe[7] das Opfer gebracht.
Frau Roxana erschien am nächsten Morgen bleich wie der Schleier, der die ersten Silberfäden in ihrem Haare bedeckte.
Die beiden jungen Leute sahen aus, als gingen[1] sie in den Tod, nur Rolanda trat freudestrahlenden Antlitzes[2] herein. Es war eine Verklärung über sie ausgegossen, die sie überirdisch schön machte; sie erschien einen Kopf größer und sprach mit sanftem Wohlklang: „Tretet mit mir hinaus, meine einzigen Teuern; unter Gottes Himmel soll die Entscheidung fallen!“