„Wir haben noch ein schönes Land!“ riefen die Rumänen, und zeigten den Weg. Da rief ihr weiser Fürst:

„Hört mich an, Ihr Mannen![3] Ein jeder von Euch nehme[4] eine Hand voll Erde und werfe sie vor sich!“

Sie thaten, wie ihnen geheißen war, und da ihrer so viele waren, hatten sie bald einen großen Berg gebaut, den sie[5] Tschachlau, die Gelbhaarigen aber Kaukland nannten.

Noch bevor die furchtbaren Feinde herangestürmt waren, ragte der Berg in die Wolken, und die Heere lagerten auf demselben in unerreichbarer Höhe. Hier waren sie die stärkeren und schlugen jeden Angriff aus ihrer Höhe ab. Die Drachen unten gedachten aber, sie auszuhungern und umzingelten den Berg, so daß keiner mehr herunter konnte.[6] Bald wurden der Lebensmittel wenige, und aus hohlen Augen sahen die Heere auf die feindliche Flut im Thale, die sich auf ihren Äckern und Weiden sättigte, nachdem sie alle Weiber und Kinder, die sich nicht hatten flüchten können, getötet, und alle Wohnungen in Brand gesteckt hatten.

Das schlimmste war der Durst. Da der Berg noch unbewaldet war, so konnte es[1] auch keine Quellen geben, und jeder Krug Wasser, der aus dem Thal geholt wurde, kostete einem oder mehreren das Leben. In dieser großen Not gingen die Fürsten schon zu Rate, ob sie nicht einen Ausfall machen wollten und kämpfend zu Grunde gehen.

Da trat ein Hirte vor sie hin, jung und schön, mit langen schwarzen Locken und Augen, schwarz wie Kohlen, der sprach: „Ich habe Tag und Nacht gesonnen, den Drachen da unten den Untergang zu bereiten; denn sie haben vor meinen Augen meiner geliebten Maid die Brust durchstochen, sie so an einen Baumstamm genagelt, den[2] ihren Pferden an die Schweife gebunden und sie fortgeschleift, daß eine blutige Straße den Weg bezeichnete, auf dem sie von dannen gejagt, bis von der wundervollen Maid nichts mehr da war, als eine lange Haarsträhne, die sich fest um den Baum geschlungen. Ich weiß, wie ich meinen Rachedurst befriedigen kann, wenn ich auch[3] selber dabei den jämmerlichsten Tod erleiden muß. Ich habe den ganzen Berg umgangen, den wir gebaut, und fand eine Stelle, die man loslösen und hinabwälzen kann. Ich will sie Euch zeigen; wenn Ihr tief genug gegraben, so gehe ich hinab und sage den Drachen dort unten, ich wolle ihnen den Weg zeigen, wie sie den Berg stürmen können, und wenn ich den Bucium[4] hören lasse, so wälzt den Berg auf sie herunter, aber nicht eher, damit ihrer[1] genug beisammen sind, und Ihr über Geröll und Leichen entkommen könnt!“

„Wie heißt Du denn, Du Tapferer?“ sprachen die Fürste.

„Ich heiße Bujor.“

„Weißt Du denn, Bujor, was Dich erwartet, wenn sie Dich als Betrüger erkennen?“

„Ich weiß es,“ sprach der junge Mann mit gerunzelten Brauen, „ich sah, wie sie die Unschuld behandeln, was werden sie den Schuldigen thun!“