„Und Du fürchtest Dich nicht?“

„Wovor soll ich mich denn noch fürchten, da mir das Leben leid ist, ohne meine Maid, die ich habe sterben sehen! Mich kann der Tod nicht schrecken!“ —

Sie gruben nun Tag und Nacht eine tiefe Rinne in den Berg, sie trugen so viele Steine zusammen, als sie nur[2] finden konnten, was alles keine leichte Arbeit war, da sie von Durst ermattet waren. Aber endlich war die Erde genug gelockert, um beim ersten Anprall hinabzustürzen, und Bujor nahm von ihnen Abschied, machte das Zeichen des Kreuzes[3] und stieg zu Thal.

Er sagte den Wachen, er wolle mit dem Fürsten sprechen, er sei dem Verhungern nahe und wolle viele vom Tode retten.

Als er vor dem Gefürchteten stand, schlug dem jungen Manne doch das Herz; denn der Fürst sah ganz entsetzlich aus. Ihr müßt Euch vorstellen, was Ihr Euch nur[4] von Grausamkeit und Bosheit denken könnt, und dann ist das alles noch lammfromm gegen[1] des Drachenfürsten Gesicht.

Er grinste und leckte sich die Lippen, als ihm Bujor erzählte, er wolle ihm eine Stelle zeigen, die ganz unbewacht sei, und an der er leicht den Berg erstürmen könne.

„Wenn Du mich aber irre führst,“ sprach der Fürst, „so wirst Du so sterben, daß der Tod Dir als süßes Labsal erscheinen wird.“

„So geschehe[2] mir,“ sprach Bujor ernst und bat um einen Trunk Wasser.

Die Nacht brach dunkel und sternlos herein, da rückten die Feinde zum Tschachlau heran, in schweigsamen Scharen; die Hufe der Pferde hatten sie mit Heu umwickelt, damit sie keinen Lärm machen konnten. Bujor ging zwischen zwei Reitern, die aus ihren Augenschlitzen ihn unverwandt anschielten. Er ging sehr langsam, damit möglichst viele dicht am Berge seien, bevor er das Zeichen gab; er wußte die Stelle genau, wo der Bucium versteckt war, und mit klopfendem Herzen ging er voran: Wenn es ihm nicht gelang, sein Horn an die Lippen zu setzen, ohne daß[3] die Drachen es merkten, was dann? —

Er sah ihre schwarzen Scharen sich dichter und dichter um ihn drängen; jetzt begannen sie zu steigen, und hier lag der Bucium.