Da verbreitete sich ein roter Schein in der Höhe und wie sie aufsahen, schien eine Felsenspitze des Bucegi zu glühen. Immer heller ward[4] die Glut, bis eine rote Flamme Sterne zu sprühen schien. Die beiden Liebenden standen wie[5] versteinert. Da gingen in den Nachbarhäusern die Fenster auf; die Leute riefen einander zu, es sei Waldbrand, nein, sagten andere, der Berg brenne. Die Hunde wurden laut. Die Hähne krähten.

Da faßte Pauna den jungen Mann bei den Schultern und ihn weit von sich stoßend rief sie: „Fort von hier, verbirg Dein Gesicht! Sonst sterbe ich vor Scham!“ Dann schlug sie die Thüre zu und löschte ihr Licht. Mit hochklopfendem Herzen sah sie Tannas nach, wie er im Schatten der Häuser davonschlich, sah den Berg glimmen und langsam dunkel werden und gab keine Antwort, als man sie rief, das Wunder zu sehen.

Von dem Tage an fand man Pauna außerordentlich bleich; kein Lächeln flog mehr um die Lippen, die sonst so leicht sich spöttisch verzogen, und keine rasche Antwort verkürzte das Neckwort, das ihr nachgeschickt wurde. Still that sie ihre Arbeit, war aber oft so müde, daß sie sich an den Brunnenrand setzte und mit dem Wasser die Stirn kühlte. Zuweilen betrachtete sie sich träumerisch im Brunnen oder blickte scheu zum Bucegi hinauf. Mit einem Mal begann man zu sagen, Tannas sei im Dorfe gewesen; dieser und jener wollte[1] ihn beim Schein des brennenden Berges gesehen haben, und sogar seine Stimme hatte man mit der[2] von Pauna gehört.

Als diese darüber befragt wurde, perlten Schweißtropfen auf ihrer Stirn und um ihre Lippen, die leise zitterten, als sie sagte: „War nicht alles still und dunkel bei mir, als der Berg brannte?“

Paunas Mutter schüttelte den Kopf, biß auf[3] die Unterlippe und meinte, es[4] geschähen allerhand merkwürdige Zeichen in dieser bösen Zeit. Da kam die Nachricht, es sei eine große, mörderische Schlacht geschlagen worden, Pauna erfuhr es diesmal zuletzt, ging rasch heim, schnürte ihr Bündel, nahm einen Kürbis und Mamaliga[5] in einem Tuche mit, und als die Mutter ängstlich fragte, wohin sie wolle,[6] sagte sie nur: „Ich komme[7] bald wieder, Mutter, habe keine Angst um mich!“

In der Abenddämmerung lag daß Schlachtfeld gebreitet; tausende von Toten waren umhergestreut, Pferde wälzten sich sterbend oder hinkten mit gesenktem Kopfe umher. Um mächtige Wachtfeuer lagerte das Heer und horchte nicht mehr auf das Jammern, das vom Schlachtfeld klang. Eine hohe Frauengestalt wandelte allein durch die Reihen, nachdem Sie im ganzen Lager gesucht und nach Tannas gefragt. Beherzt näherte sie sich Freund und Feind, reichte manchem einen Trunk und betrachtete die Toten genau. Jetzt ward es völlig Nacht, und der Mond beschien die schaurige Stätte. Immer noch wandelte das Mädchen hin und her, kniete hier und dort nieder, legte eines Sterbenden Haupt an ihre Brust und suchte an gräßlich entstellten Leichen nach einem Ring und einer Münze am Halse.

Nur einmal taumelte sie entsetzt zurück, als sie Weiber eine Leiche plündern sah.

Sie eilte fort, kehrte aber bald wieder zurück, um[1] ängstlich den Toten zu betrachten.

Daß ganze Lager war in Schlummer versunken, und noch immer schlich Pauna auf dem Schlachtfeld im Mondschein umher; manchmal rief sie leise: „Tannasse!“ Oftmals antwortete ihr ein Stöhnen, aber traurig schüttelte sie das Haupt, nachdem sie einen Trunk gereicht. Der Morgen fing an, leise zu grauen und das Mondlicht bleicher zu werden, da sah sie etwas glänzen, und wie sie hintrat, lag ein Toter halb entkleidet da, hatte aber mit der Hand, an der ein kleiner Ring schimmerte, etwas, das er um den Hals trug, so fest ergriffen, daß man [2] offenbar darauf[3] verzichtet,[4] ihm die Finger zu öffnen.

Pauna erkannte ihren Ring und mit dem Aufschrei: „Tannasse!“ sank sie neben der Leiche hin, deren Gesicht, mit Blut überströmt, kaum zu[1] erkennen war. Nach wenigen Augenblicken kam Pauna wieder zu[2] sich und begann, daß geliebte Gesicht zu waschen; sie sah, mit herabströmenden Thränen, daß beide Augen samt der Nase von einem Säbelhiebe durchschnitten waren, sah aber auch, daß das Blut wieder hervorquoll. Nun war sie sicher, ihr Geliebter sei nicht tot und eilte seine Lippen zu benetzen und seine Wunde mit ihrem Tuche zu verbinden. Da begann er zu seufzen, und wie er seinen Namen nennen[3] hörte, griff er mit der Hand in die Luft und betastete lange Paunas Gesicht: „Meine Pauna!“ sagte er kaum hörbar. „Laß mich sterben, ich bin blind, ich bin nichts mehr auf der Welt!“ „Doch, doch!“ rief Pauna, „Du bist mein Geliebter und, will’s[4] Gott, mein Mann, in kurzer Zeit; nur still jetzt, still!“ —