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Viele lange Wochen waren seit jenem Morgen verstrichen, Wochen, in denen Pauna Tag und Nacht an Tannasses Lager gestanden und ihn unermüdlich gepflegt. Da sah man[5] zwei Wanderer die Straße entlang ins Dorf kommen: einen Blinden im Soldatenmantel, mit dem Ehrenzeichen auf der Brust, und ein Mädchen, das[6] ihn sorgsam führte, und das mit freudigem Lächeln den Vorübergehenden sagte: „Hier ist mein Bräutigam! Er ist ein Held! Seht das Zeichen auf seiner Brust!“

„Und in seinem Gesicht!“ fügte Tannas seufzend hinzu.

Noch nie war eine so große Hochzeit gewesen; von fern und nah strömten die Leute herbei, um die schöne Pauna zu bedauern an der Seite des Blinden. Sie aber lächelte allen zu und sagte: „Ich bin stolz! Ich habe einen Helden zum[1] Mann! Und gottlob, daß ich stark bin, ich kann für uns beide schaffen!“

Den Berg aber, den man hatte brennen sehen, nannte man Piatra arsa, „den verbrannten Stein,“ denn Hirten und Gemsjäger schworen, sie hätten dort die Felsen verkohlt gefunden.


[II]
Die Jipi[1]

In der Gruppe des Bucegi[2] ragen wie zwei Riesenzähne dicht neben einander die beiden Jipi empor und starren sich[3] trotzig an. Zwischen ihnen stürzt in stäubendem Wasserfall die Urlatoare,[4] „die Heulende,“ zu Thal und tobt, bahnbrechend, zur Prahova[5] hinab. Man sagt, die Jipi seien[6] vor[7] uralten Zeiten Zwillingsbrüder gewesen, die sich[8] so lieb gehabt, daß keiner[9] ohne den andern bleiben konnte, daß keiner einen Bissen Brot annahm, den er nicht mit dem andern teilte, daß, wenn man den einen etwas fragte, der andere Antwort gab. Wenn der eine sich weh gethan, weinte der andere und ließ[10] sich gar nicht trösten. Sie waren beide so schön wie Morgen und Abend, so schlank wie Lanzen, so rasch wie Pfeile und so stark wie junge Bären. Ihre Mutter betrachtete sie mit Stolz und Freude und streichelte ihre Lockenköpfe, indem sie sprach: „Andrei[11] und Mirea, meine schönen Söhne, möget[12] Ihr so berühmt werden, daß die Steine Von Euch reden!“ —

Sie waren von edlem Geschlecht und hatten eine Burg auf hohem[13] Felsenkegel, auf dem sie thronten, als gehörte[14] ihnen die ganze Welt, und oft sagten sie scherzend, sie könnten[1] zusammen nur eine Frau heiraten, da sie gewiß nicht zwei gleichgeartete Frauen finden würden. Am besten[2] sei es, sie heirateten[3] gar nicht. Davon wollte aber die Mutter nichts hören, denn sie wollte[4] ihrer Söhne[5] Kinder auf den Knieen wiegen und ihnen Schlummerlieder singen.

Sie sang ihnen oft des Abends[6] die alten Lieder,[7] während sie spann, und die beiden Jünglinge umgaben sie zärtlich, Andrei kniete ihr[8] zu Füßen, auf einem Kissen, Mirea lehnte mit[9] dem Arm auf der Mutter Stuhl und sog den Duft ihres Haares ein, das in dicken, braunen Flechten unter dem feinen, weißen Schleier[10] schimmerte. „Unsere Mutter ist noch eine ganz junge Frau!“ sagte Andrei.