Wie heißest du?
Jakobine. Die Mutter nennt mich Jakobe, der Vater „feine Schwarze”; im Dorf heißen sie mich die schwarze Jakobe. Und wie heißest du?
Ich hatte mir als junge Aristokratin nichts dabei gedacht, sie zu duzen. dass sie sich aber ebenso unbedenklich dieselbe Freiheit nahm, verletzte mich ein wenig. Doch konnte ich ihrem ruhigen Blick nicht ausweichen und sagte ihr nach einigem Zögern meinen Namen.
Wirst du länger hier bleiben? fragte sie weiter.
Ich sagte, dass wir für diesmal nur einige Tage uns aufhalten würden, aber später im Jahr wiederzukommen gedächten.
Sie schüttelte den Kopf. Warum wollt ihr wiederkommen? sagte sie. Hier ist es nicht schön. Wenn ich in der Stadt lebte, käme ich nie wieder heraus, auch nicht, wenn ich in eurem schönen Haus wohnen könnte. Hier ist es nicht schön! wiederholte sie und stieß den Spaten mit einer verächtlichen Gebärde in den harten Grund.
Du bist immer allein? fragte ich, da mich der traurige Ton ihrer Stimme rührte. Hast du keine Geschwister? Gibt es im Dorf keine Mädchen von deinem Alter, mit denen du Freundschaft halten könntest? Wie alt bist du denn?
Im Juni werd’ ich sechzehn. Geschwister hab ich keine, ich möcht’ auch keine haben. Es ist genug, wenn ein Kind im Haus es schlecht hat. Und die im Dorf —
Sie rümpfte verächtlich die Lippen. Ihr seltsames Wesen nahm mich mehr und mehr gefangen.
Jakobine, sagte ich, ich habe auch keine Geschwister und bin hier ganz allein. Wenn du manchmal ein bißchen Zeit hättest, möchte ich gern mit dir plaudern, du müsstest aber zu mir herüberkommen, denn ich darf nicht allein aus dem Hause oder gar ins freie Feld. Willst du?