Dort traf ein schamlos nackter Sphinxblick meine Augen; von dort her wand sich mir durch mein Gehirn ein Strahl, geboren aus den Augen einer blassen, hysterischen Serpentinetänzerin; aus der Ecke krochen wie ein körperlicher Wollustschauer die Reize einer trunkenen Hetäre auf mich zu.
Ich fühlte wieder meinen Kopf anschwellen; maßlos. Ich war nicht mehr die blöde, in Raum und Zeit begrenzte Persönlichkeit; ich wurde die reine, nackte Individualität, so alt wie alle Welten zusammen, so endlos wie die Weltenräume alle.
Und in sprühendem Gischte sah ich die Jahrhunderte und Jahrtausende in einen endlosen Abgrund stürzen, etwas kam von beiden Seiten, das den ziellosen Raum einengte, und weit und breit schweifte mein unsterblicher Blick über die Gefilde der Mutterlands. Ich sah in endlosem Aufbau die ganze Kultur zum Himmel ragen, und weit und breit lagen die Fundamente meinem Auge sichtbar: die Herrschaft des Weibes — das Matriarchat.
Und deutlicher und sicherer fühlt’ ich meiner Bilder Sinn. Die Landschaft da entformte sich zu einem tiefen, tief abgründigen, rätselhaften Auge. Aus dem Meeresstrande tauchte ein weißer, glänzender Riesenleib; wie eine Wunde quoll ihm aus der Abenddämmerung der lüsterne, mystische Mund. Aus allen Rahmen meiner Bilder tauchte das Weib hervor, der kosmische Weltwille, die Allmutter, die Herrscherin:
Mylitta, die babylonische Hure, die niemals ein Verlangen stillte, die den Begnadeten den Flammen preisgab —
Isis, die eine Sonne in unbefleckter Empfängnis gebar: kein Sterblicher hat ihr die Röcke hochgehoben! Isis, die Mutter der Könige, Gattin des Mondstiers, die heilige Kuh, die Königin der ganzen Erde —
Athene, die niemals die Dunkelheit des Mutterschoßes sah, geboren aus dem lichten Gefilde des Gehirnes —
Die heilige Jungfrau der teutonischen Wälder, in der sich Odins Schöpferwille offenbarte —
Und Du, du höher als Isis, heiliger als Athene, weil dich Mein Gehirn geboren hat: Ich Dein Erzeuger und Dein Sohn, Ich habe mit den Mutterbrüsten meines Gehirnes dich großgesäugt, ich an Deinen Brüsten mich großgesäugt: du Mutter meiner Seele, du mein Kind!
Hohn dir, alter Jahväh — warum hast du gelogen, als du sprachst: in Schmerzen wirst du deine Kinder gebären, unter dem Willen deines Mannes wirst du stehen, und er wird dich unterjochen —