Ich sah mich mit einem Male in der Kirche, ich sah mich als Knaben in der unendlichen Atmosphäre gottbegnadeter Seligkeit, einer Seligkeit von weicher Seidenwolle, gesponnen aus leise fächelnden Rhythmen, oh ja — damals, als ich das erste Mal die heilige Kommunion genoss: das Glück, das wunde, heilige Glück des Gottgenusses.
Mein Herz wurde zum Gottesleibe, zur gottesewigen Hostie.
— O komm, lege behutsam Deine weichen Hände um die Hostie meines Herzens, komm und nimm ein seidenes, goldgesticktes Priesterornat um Deine Schultern, und jetzt recke Deine Hände empor, langsam in gemessener, würdevoller Bewegung.
Wir stehen vor der Kirche, auf den Stufen der gen Osten gerichteten Kirche. Zuckende, flirrende Mittagshitze um uns, Korngarben ringsum auf den Äckern, golden glänzt das Stoppelfeld, und weit im Hintergrunde uns entgegen, in dem schwülen Nebelflor der alles aufsaugenden Hitze, gähnt der schwarze Waldsaum.
Und über der Mittagshitze, über den goldenen Garben, in Deinen Händen zuckend, blutend, ragt die Hostie meines Herzens.
Und die Welt bebt, still neigt sich rings der Brotsegen des Korns, schauernd rauscht der Wald:
Tantum ergo sacramentum!
Ich zitterte, alles um mich zitterte in kreisenden Schauern, ich griff mit beiden Händen um meinen Kopf, ich betastete meinen Körper: die Vision verschwand, ich wurde langsam ruhiger...
Ich zog mich notdürftig an.
Das Mondlicht fiel in dichten, breiten Strahlengarben durch die achtzehn Scheibenquadrate des Atelierfensters; ringsherum, in Silberglanz getaucht, standen auf den Staffeleien meine Bilder.