Hohn dir, Hohn! denn über alles Seiende, trotz deiner Worte, herrscht das Weib! —
II
Und ich sitze und sitze und brüte, warum musste ich dich lieben?
Und eine Stimmung wird in mir lebendig, die mein Innerstes, mein Tiefstes in regenbogener Lichtpracht nach außen reflektiert.
Ich stehe in der Kirche. Abenddämmerung. Tiefe, tiefste Stille. Stille in dem kauernden Erwarten, Stille in dem schwülen Rausch der Weihrauchdüfte, Stille in dem dumpfen, unterirdischen Orgelbrausen.
Dicke, schwarze Schatten von den steinernen Säulen: geheimnisvolle, uralt mystische Riesenschatten, scharf umrissen am Hochaltar, in einer Flut von Kerzen strahlt er, weich verschwommen im Mittelschiff, und sanft zusammenfließend mit der lauen, wollustsüßen Dämmerung unter dem Orgelchor. Und wie ein wachsendes Zittern geht es durch die Kirche, wie ein leises, schauerndes Entsetzen, und jäh und plötzlich wird die Stille zerbrochen, mächtig dröhnen Orgeltöne, und aus der kauernden, keuchenden Erwartung erlöst sich ein Lied, so tief, so sehnlich, so schwellend: Salve Regina! —
Und wieder Nacht. Der Himmel beglänzt, o so beglänzt, wie die weite Niederung da unten unter der Brücke, auf der die eisernen Züge rasen. Millionen Lichter, eines an das andere gepflanzt, in seltsamen Linien, vielfältigen Farben, unter– über einander, eine weite Wiese mit leuchtenden Blumen.
Und Duft von Rosen wie weiches Nebelleuchten durch die laue Sommernacht. Ein Zug voll Menschen mit Kerzen in den Händen, und ein Verhängnis über ihren Köpfen, und wieder Gesang, Gesang in unendlich tiefen, monotonen, halbverhaltenen Tönen, kauernden Tönen, die explodieren können, die das Gehirn mit ihrer schmerzlichen Wut zerreißen können.
Und das Lied wird zur Linie, Düfte werden zu Flächen und die Stimmungen zu Farben, ein seltsam verwirrtes Gemenge von Farben, Linien, Düften, aber immer die eine Stimmung, der eine Stimmungstrieb.
Und in den Tiefen, da wird die Stimmung, die mein Herz in Beben und Erschüttern brachte, zu der Fläche, dieser seltsam weichen, leise ausgebuchteten Fläche deiner Wange von den Backenknochen bis zum Rand des Kinns. Und in der Tiefe wird der kauernde Gesang zu der Sehnsucht deiner Sprache — oh, ja, ja...