Ich bin ein Knabe, ein schwacher, zarter Knabe von vierzehn Jahren.
Blaue Fernen vor mir, weißblau flimmernde Fernen. Die Sonnenhitze schwillt dumpf an, sie sengt den Boden, auf dem Seespiegel steht sie mit flirrenden, stechenden Lichtern, und über mir aufschießend, steil geästet, ragt die Wipfelspitze einer Pappel.
Irrend schwimmen meine Knabenaugen in die blauweiße Ferne, in die flirrende, flimmernde, weiße Hitze, und in heißer Brandung schwillt das Blut zum kochenden Strom.
Dies Flirren und Flimmern der Sommerhitze, das hattest Du, Du unter den wollustseligen Augen — damals, als du heiß und glücklich in meinen Armen lagst.
Da vor mir das Gemälde, das du so geliebt hast: eine dürre, trübe Fläche, gelbe Grashalme und ausgedörrtes Unkraut. Ein Bach mit Binsen bewachsen, ein stiller, flacher Bach, mit den herrlichen Himmelsreflexen der beginnenden Abendröte. Paar struppige Weiden mit vertrockneten Ästen steh’n am Bach, und im Hintergrunde, im schwachen Nebel zerfließend, eine Hütte, halb zerfallen.
Das bist Du!
Und ich sehe den Himmel zerfließen in allen Farben, in allen Gluten, in wolkigem Wechsel, in fliehender Hast. Gelbgrün an den Rändern, aschfarben über dem purpurvioletten Horizontrand, und von Orten nach Westen ein zackiger, tausendfach gebrochener Ring von gelbem Purpur: eine breite klaffende Wunde auf der Riesenstirn des Himmels.
Den Himmel seh’ ich und den schwindenden, weißen Tag. Die Wunde wird breiter zum feurigen Gangrän, zum Abgrund geronnenen Blutes. Um sie herum der Himmel matter und matter, und dunkler und tiefer der aschfarb’ne Erdschatten, von zuckenden, goldnen Reflexen zerrissen, und allmählich dunkelt alles nach, tiefer und tiefer in ein schweres, schwarzes Blau hinein.
Das bist Du!
In meinen Ohren klingt ein Lied; schwarzgrauer Tiefton, gesprenkelt mit hellblauen Lichtern. Da plötzlich von hinten nach vorne eine Schlange von heißem, begehrlichem Lachen in kreischender, jauchzender Bewegung.