Aus deinen Augen sprangen manchmal diese weichen, schillernden Schlangen an mein Herz. Sie umringelten es, sie rieben sich wollüstig an ihm und legten sich züngelnd in seiner weichen Wärme schlafen.

Und meine Kunst, das bist Du. Und das heilige Werkzeug, das mir alle Töne der Erscheinungswelt auf diese eine Dominante abgestimmt hat, das bist Du. Und Ich bin Du!

Und weil du die Fläche zu meinem Liede warst, und weil du mir die Linien meiner Erlebnisse lebtest, und weil du die Farbe meiner Düfte bist, musste ich dich lieben...

Bevor ich dich sah, warst du in mir; bevor ich dich in meinen Armen hielt, lebtest du in meinen Farben, zucktest du aus meinen Tönen, und wie ein Abendlicht mildernd und versöhnend lagst du über meinen Erlebnissen, lagst und leuchtetest hinein mit seltsamen Augen, und wobst sie mir mit weichen, leuchtenden Händen zu einer mystischen, verhallenden, zerfließenden Melodie.

Bevor ich dich sah, lagst du so in unbefleckter Reinheit als ein Urbild keusch in meinem Gehirn, eine rein angeschaute Idee, du heilige Jungfrau, die niemals die Dunkelheit des Mutterschoßes sah. Noch war mein Geschlecht aus dir nicht geboren: nur eine große, reine Wollust schöpferischer Sehnsucht.

Und da kamst du!

Und in einem Nu hattest du die Fäden zwischen meinem schaffenden Gehirn und der schlummernd brütenden Tierseele des Geschlechtes gesponnen, tausend Verbindungen eingefädelt zwischen deinem Leibe, den brünstig mein Geschlecht umfing, und meiner Gehirnidee; und Du Geschlechtstier bist mit Dir, dem Urbild meines Hirnes, ineinandergeflossen und wurdest eine große Einheit, eine heilige Synthese von fleischgewordenem Worte, das herrliche Eden, darein das Anfangslose sich verkleidete.

Und das war meiner Kraft werdender Frühling, das war meiner Macht aufblühender Stolz, denn du warst mir die purpurne, ahnende Bangigkeit des Zwielichts und die zitternde Farbenunruh’ des jungen Tages, die jeden Nerv mit heißer, beglückender Frühpracht sättigt.

Und du sitzest auf meinen Knien. Warme Dämmerung im Atelier. Nur hier und da taucht wie ein glänzender Fleck ein Gegenstand hervor. Draußen wiehert der Dezemberwind, Schneeflocken schlagen eisig gegen das Fenster: windige, schneidende Kälte. Aber in dem großen Kamine vor uns knistert lustig das Feuer uNd wirft Purpurscheine auf dein Gesicht, herrlich purpurgelbe Flecke, wie die untergegangene Sonne der Erde ihre letzten Abschiedsgrüße zuwirft. Du auf meinen Knien, und in meinen Händen hob’ ich deine kleinen Füße und halte sie gegen das Feuer; weißt du, ganz so lag ich als Knabe auf dem Schoß meiner Mutter, wenn ich Husten bekam, ganz so hielt sie meine Füße gegen das Feuer und rieb mir die Sohlen mit Zwiebeln ein.

O, ich liebe dich! liebe dich als meine Kunst in Farbe, Ton und Wort, ich liebe dich als meiner Vorzeit endlose Vergangenheit, ich liebe dich als den Geruch meiner Heimatserde, als meiner Kirche mystischen Rausch, aber über alles lieb’ ich dich als meinen kosmischen Sehnsuchtsschmerz, als meine höchste Lebensbejahung in meiner grässlichsten Qual, in meinem Siechtum, meiner Ohnmacht.