Die Uridee, die dich geboren hat, aus der mir meine Kunst gewachsen ist, hast du zerstört: auf tausend Wegen, in tausend Fäden floss jeder Eindruck in den Abgrund des Geschlechtes, und was makellos im Gehirne wuchs, erstarb in der geschlechtlichen Sehnsucht nach dir.

Aber meine Qual war dein Recht!

Dazu meine Vergangenheit, dass ich durch dich die Ewigkeit fortpflanzte. Dazu die Farben. Töne, Linien, dass ich in erlesenster Zuchtwahl dich aus allen Weibern der Erde wählte, dem Grundgesetze der Natur Genüge zu tun.

Und die Kunst, die erbärmliche Kunst! Eine Spielerei, die das Geschlecht mit dem Gehirne treibt! Die ganze menschliche Kunst: ein Liedchen, das nicht mal ein Weibchen anlocken kann, ein Bild von Farbenpracht, das doch nicht mal die Macht von einem Pfauenschwanz erreicht!

Doch wozu? wozu Vernunft, wozu Raisonnement? Die Sehnsucht blieb, die große Sehnsucht...

Verschwunden ist mir das Weib mit ihrer Mission und ihrer Kulturmacht, verschwunden du mit dem Geheimnis meiner Individualität, dem Sinn meiner Kunst, dem Willen meiner Ewigkeitsbegierden — nur eines blieb: das Riesensymbol, das nun mein Weib geworden ist: die Sehnsucht.

Die Sehnsucht, die im Künstler zeugt, die die Hände zu Gott emporringt, die das Gehirn im Triebe nach Erkenntnis sich zerquälen lässt; die schmerzhafte, ewige Sehnsucht des Daseins: aufjauchzend, aufwirbelnd in heißen Stürmen, wühlend mit tausend glühenden Nadeln, zerstörend, vermählend und wieder zerstörend, in ewigem Gleichmaß, ewiger Unrast, ewiger Qual und Seligkeit.

III

Um dein Haupt ein Kranz welker Blumen wie ein Gurt erloschener Sterne, und dein Antlitz strahlt von den Spuren einstiger Schönheit.

An deine Füße brandet in wilden, zerschäumenden Wogen die Flut meines Lebens, und wie ein Wirbel kreist um dich die kranke Brut meiner Seele.