Da sitz’ ich da und brüte, wie ich dich erlösen könnt’.

Und jetzt seh’ ich dich.

Um dein Haupt ein Kranz tausend nackter Blitze. Die Stürme von Jahrhunderten haben dein Haar zerrissen; eine Ewigkeit von Menschenglück, eine Unendlichkeit von Menschenjammer ist in dir brünstig geworden. Auf dem Regenbogen gährender Kräfte fährst du einher, und dein Wille wie ein Abgrund schäumender Macht.

O gib mir den Akkord, in dem sich deine Macht umfassen lässt! gib mir das Riesenwort, das dich sagen könnte! das Wort, den Akkord, der wie zuckende Fieberglut die Welt durchrast! den Akkord, den ein Himmel brennender Sterne mit der hektischen Röte des Wahnsinns färbt! stärker noch, mächtiger noch, — haa, wer kennt das grausige Lied des blutenden, wissenden Gehirns, wer kennt das Wort der neuen Tat?!

Ich, ich kenne das Lied, ich kenne das Wort: ich, der Sohn deiner ewigen Stürme, der Sohn deiner Nöte und Irrgänge.

Gib mir her den neuen Akkord! O, näher! oh, mächtiger! Schon braust er mit Flügeln in meinem Gehirn, schon schüttet sich die Brandung seiner Macht in meine Adern, schon dehnt sich mein Leib zum bäumenden Aufschwung, schon bersten die Wellen, schon...

Vergebens, versunken...

Wie ein Holzwurm bohrtest du dich in die Füße meines Thrones, bohrtest unablässig, bis er zu wanken begann, bis die Königskrone meines Hauptes wackelte und der Sessel der Caesaren morsch mit mir zu Boden brach, um mich her in Lumpen und Fetzen mein herrlicher Purpurmantel...

Müde strahlt dein Antlitz von den Spuren einstiger Pracht; um dein Haupt ein Kranz welker Blumen, und in der gebrechlichen Perlenmuschel meines Siechtums führst du dahin, du schmerzhafte Schönheit, die du über alle Schönheit thronst, o Sehnsucht du!

IV