— Jetzt musst du ihn küssen! Du musst; dem Künstler schenk’ ich mein Weib, ich König, königlich mein Preis — schrie ich ihr zu und setzte mich in meinem Sessel zurecht, um alles besser, tiefer, in der schärfsten Lichtlage gemessen zu können.
Das war alles so selbstverständlich, in dieser Rauschglut und Begeisterung so zwingend, dass es keinem auffallen konnte.
Und nun kam der große Keulenschlag.
Ich sehe sie beide vor mir, ganz deutlich, da vor dem Klavier. Sie standen sich gegenüber wartend, keuchend; es kam mir vor, als hätte irgend etwas Mächtiges ihre Muskeln gelähmt.
Eine Ewigkeit verging. Ich sog mich gierig in jeden Schauer, jedes Zucken ihrer Körper, in diese Stille, die den Sturm gebären sollte. Ich lenkte, berechnete, setzte sie in mir zurecht, diese schauernden Innervationsgefühle ihrer Muskelfibern, nach der Richtung meines intensivsten Schmerzempfindens.
Noch standen sie wie verzaubert. Da plötzlich legte sie sich ihre Hände um den Kopf, reckte ihren Körper auf den Zehen hoch, in der Linie des geschwungenen Bogens — sie sah ihn an! O Gott, wie sie ihn ansah! Diese brünstige Innigkeit, diese schamhafte, schamlose Hingebung; eine ganze Welt von Brunst lag in dieser Bewegung, und ihre Brust keuchte. Dann seh ich ihn, wie er auf sie zustürzt, sie auf seine Hände nimmt; mit beiden Händen nahm er sie und schnellte sie empor, dann sah ich ihre Lippen sich ineinander wühlen und graben, dann fing mein Atelier an, um mich herum zu tanzen, ich griff krampfhaft um die Lehnen meines Sessels und schrie wütend: Fester noch, fester!
Ich hetzte sie auf einander: mein schreiender Wille war wie eine Peitsche, die sie auf einander loshieb, ich fühlte mich als eine tausendköpfige Menge, die mit ihrem Wutgeschrei zwei Gladiatoren auf einander jagt.
Sie keuchte, und ich sah sie auf den Boden gleiten zu seinen Füßen, und sie blickte zu ihm auf.
O, diese Unendlichkeit von ungesättigter Seligkeit in ihrem Blick, diese bettelnde Bitte: Nimm mich, nimm mich doch!
Ja schamlos, schamlos!