Als ich am andern Mittag erwachte, stand sie angekleidet vor meinem Sofa und sah mich offen, sehr offen an.

Scham, Reue, Trotz, Frechheit, die ganze Tonleiter der Ehebruchsgefühle sah ich in ihrem Blick.

Ach Gott, ich wusste alles; alles wusste, ich, was sollten denn die Blicke zwischen uns. Zwischen uns beiden waren alle Fäden zerschnitten.

V

Heute versuchte ich zu arbeiten:

Es geht nicht!

Die ziellose Sehnsucht fehlt mir. Sie hat mit ihrer lächerlichen Leiblichkeit mir ihr Urbild zerstört. Was einst unbewusst hier in mir ruhte, durch alle Empfindungen hingestreut, wie Goldfäden in alle Erinnerungen eingewoben, duftend aus dem breitgesponnenen Gewebe meiner Heimatsmelodien, das hat sie wie in einem Brennspiegel in sich gesammelt. Was sich einst in steigender Potenz dem unbekannten Reich entgegenreckte, das gipfelt jetzt nur in der leiblichen Sehnsucht nach ihr.

Aus jedem Pinselstrich, aus jedem Tonsatz grinst mir ihr Gesicht entgegen, ihre Bewegungen seh ich unter meinen Fingern entstehen, ihr heißes Lachen trübt mir jeden goldreinen Klang.

Anders, an ihr vorbei, kann ich nicht schaffen. Ich kann sie nicht bei Seite schieben. Meine Kunst ist nur der einzige Typus: ihr Typus.

Ich kann nicht mehr arbeiten, wenn ich nicht verbluten soll.