Die unpersönliche, undifferenzierte Sehnsucht fehlt mir.

Oh, die Sehnsucht, die mich als Knaben in Mondscheinnächten auf den nassen, weichen Frühlingsacker warf, dass ich mich mit meinen Händen in die frische Krume grub, meine heimatliche Erde über mich schüttend wie ein weiches, wollüstiges Daunenbett.

Die Sehnsucht des Künstlers, in dessen Seele etwas auf und nieder wogt, von einem Pol zum andern, ohne die Achse finden zu können, und in wilden Strömen dem Gehirne zukreist, den Urbildern zu, die dort vom Weibe aufgespeichert liegen und die nach Wiedergeburt, nach neuer Schönheit, neuer Kraft verlangen.

Oh, die herrliche Sehnsucht des reifenden Knaben und hoffenden Weibes und des zeugenden Künstlers, die Sehnsucht des Beginnens und des Werdens, die große Sehnsucht der Dämmerung, die sich in das Nachtbett legen, und die Sehnsucht des Morgengrauens, die in dem blutigen Erlöser-Rot der Auferstehung ihr Begehren stillen will.

Die heilige, zeugende, zukunftschwangere Sehnsucht Deines Urbildes: Geliebte, Du!

Ich hasse dich, im kranken Schmerz hass’ ich dein Blut, weil du dich in mir zerstört hast, weil du, Blut, die Quelle meines Schaffens vergiftet hast.

Jetzt hab’ ich eine andere Sehnsucht, eine schauerliche, körperliche Sehnsucht.

Im Granite meines einstmals festgefügten Wesens zieht sie sich hin, wie Gänge fremden Gesteins, bis der Granit auswittert und brüchig wird an seinen kranken Adern.

In jede meiner Sensationen biss sie sich, saugt ihnen das Mark des Willens aus, zernagt den Lebensstrang, der mein Empfinden mit der Urkraft der Instinkte füllte; sie wickelt sich wie eine Scheide um den nackten, lebenslüsternen, nach Licht und Sonne klopfenden Nerven und sperrt ihn ein in eine dunkle Höhle qualvoll träumender Schmerzensmysterien, weitentrückten Ringens zwischen Ohnmacht und fiebrigem Wünschen.

Aber in der Tiefe, da ringt etwas nach Glück; etwas streckt da seine Hände in ächzender Verzweiflung nach dem Becher der erlösenden Arzenei, etwas windet und zuckt und dreht sich nach der Lichtseite, wie die Pflanze, die in stetem Schatten steht, und zwei Schritte weiter lacht das helle, licht– und farbentrunkene Erdreich.